Gegen Amor

Catharina Regina von Greiffenberg

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Der kleine Wüterich mag mit den Pfeilen spielen und tändeln, wie er will: er gewinnet mir nichts ab, weil gegen seine Pfeil ein Demant Herz ich hab. Er machet mich nicht wund, ich darf nit Schmerzen fühlen.

Er mag mit tausend List auf meine Freyheit zielen. Ihm ich, dem blinden Kind, ein Zucker-Zeltlein gab: er meint′, es wär mein Herz. O leicht-geteuschter Knab! Ich will mein Mütlein noch an deiner Einfalt kühlen.

Schau, wie gefällt dir das! trotz, spräng mir diesen Stein mit deinem goldnen Pfeil. Der Lorbeer soll mich zieren, nicht deine Dornen-Ros′ und Myrten-Sträuchelein.

Du meinst es sey nur Scherz, ich wolle mich vexiren. Nein! nein! die süße Ruh soll mir das Liebste seyn, mein tapfres Herz soll nichts als Ruh und Freyheit spüren.

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Illustration zu Gegen Amor

Interpretation

Das Gedicht "Gegen Amor" von Catharina Regina von Greiffenberg ist eine leidenschaftliche Abwehrrede gegen den Liebesgott Amor. Die Sprecherin stellt sich als unempfänglich für seine Pfeile dar, da sie ein "Demant Herz" besitzt, das gegen seine Angriffe immun ist. Sie lässt sich nicht von seinen List und seiner tausendfachen List beeindrucken und gibt ihm ein "Zucker-Zeltlein" statt ihres Herzens, um seine Einfalt zu belächeln. In den folgenden Strophen fordert die Sprecherin Amor auf, seinen "goldnen Pfeil" gegen ihren "Stein" zu richten, um seine Ohnmacht zu demonstrieren. Sie bevorzugt den Lorbeer als Symbol des Triumphs über die Dornen-Ros und Myrten-Sträuchelein, die Amor ihr anbietet. Die Sprecherin betont, dass sie sich nicht von Amor ärgern oder vexieren lassen wird, sondern ihre "süße Ruh" und Freiheit bewahren will. Ihr "tapferes Herz" soll nichts als Ruhe und Freiheit spüren, was ihre Entschlossenheit und Unabhängigkeit unterstreicht. Das Gedicht zeigt die Sprecherin als starke und selbstbewusste Frau, die sich nicht den Konventionen der Liebe unterwirft. Sie stellt sich als unnahbar und unempfänglich für die Pfeile des Liebesgottes dar und bevorzugt ihre eigene Freiheit und Ruhe gegenüber der romantischen Liebe. Die Verwendung von Bildern wie dem "Demant Herz" und dem "Lorbeer" verstärkt die Vorstellung von Stärke und Unabhängigkeit, während die Ablehnung der "Dornen-Ros" und "Myrten-Sträuchelein" die Ablehnung traditioneller Liebeskonzepte verdeutlicht.

Schlüsselwörter

herz soll mag will pfeil freyheit ruh kleine

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Stilmittel

Alliteration
mein tapfres Herz soll nichts als Ruh und Freyheit spüren
Metapher
deine Dornen-Ros′ und Myrten-Sträuchelein
Personifikation
mein tapfres Herz soll nichts als Ruh und Freyheit spüren