Gefrorene Tränen
1827Gefrorne Tropfen fallen Von meinen Wangen ab: Ob es mir denn entgangen, Daß ich geweinet hab′?
Ei Tränen, meine Tränen, Und seid ihr gar so lau, Daß ihr erstarrt zu Eise Wie kühler Morgentau?
Und dringt doch aus der Quelle Der Brust so glühend heiß, Als wolltet ihr zerschmelzen Des ganzen Winters Eis!
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Interpretation
Das Gedicht "Gefrorene Tränen" von Wilhelm Müller beschreibt die paradoxe Natur der Tränen des lyrischen Ichs. Die gefrorenen Tropfen, die von den Wangen fallen, symbolisieren eine tiefe emotionale Kälte und Erstarrung. Das Ich fragt sich, ob es überhaupt geweint hat, was auf eine gewisse Distanz zu den eigenen Gefühlen hindeutet. Die Tränen, die zu Eis erstarrt sind, stehen im krassen Gegensatz zu ihrer eigentlichen Natur, die von Wärme und Lebendigkeit geprägt sein sollte. Die zweite Strophe thematisiert die scheinbare Kälte der Tränen, die sich fragt, ob sie so lau sind, dass sie zu Eis gefrieren. Dieses Bild des gefrorenen Morgentaus unterstreicht die unnatürliche und schmerzhafte Natur der Emotionen. Trotz der äußeren Kälte strömen die Tränen aus einer Quelle in der Brust, die "glühend heiß" ist. Dieser Kontrast zwischen der inneren Glut und der äußeren Kälte verdeutlicht die Intensität der Gefühle, die trotz aller Widrigkeiten nicht erlöschen wollen. Die letzte Strophe bringt die Spannung zwischen der inneren Wärme und der äußeren Kälte auf den Höhepunkt. Die Tränen, die aus der glühend heißen Quelle der Brust kommen, scheinen die Kraft zu haben, "des ganzen Winters Eis" zu schmelzen. Dieses Bild symbolisiert die überwältigende Kraft der Emotionen, die selbst die härteste Kälte zu überwinden vermögen. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe emotionale Verzweiflung, die in der paradoxen Natur der gefrorenen Tränen zum Ausdruck kommt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Als wolltet ihr zerschmelzen Des ganzen Winters Eis
- Personifikation
- Ob es mir denn entgangen, Daß ich geweinet hab′?
- Vergleich
- Daß ihr erstarrt zu Eise Wie kühler Morgentau