Gedichte sind gemalte Fensterscheiben
1827Gedichte sind gemalte Fensterscheiben! Sieht man vom Markt in die Kirche hinein, Da ist alles dunkel und düster; Und so sieht′s auch der Herr Philister: Der mag denn wohl verdrießlich sein Und lebenslang verdrießlich bleiben.
Kommt aber nur einmal herein, Begrüßt die heilige Kapelle; Da ist′s auf einmal farbig helle, Geschicht und Zierat glänzt in Schnelle, Bedeutend wirkt ein edler Schein; Dies wird euch Kindern Gottes taugen, Erbaut euch und ergetzt die Augen!
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Interpretation
Das Gedicht "Gedichte sind gemalte Fensterscheiben" von Johann Wolfgang von Goethe thematisiert die transformative Kraft der Poesie. Es beginnt mit einem Vergleich zwischen Gedichten und gemalten Fensterscheiben, die von außen betrachtet dunkel und undurchsichtig erscheinen. Dies symbolisiert die anfängliche Skepsis und Verständnislosigkeit, die viele Menschen gegenüber der Poesie empfinden. Das Gedicht fordert den Leser auf, sich auf die Welt der Poesie einzulassen und sie von innen zu betrachten. Sobald man den metaphorischen Kirchenraum betritt, eröffnet sich ein farbenfrohes und leuchtendes Schauspiel. Die gemalten Fensterscheiben enthüllen ihre wahre Schönheit und Bedeutung, wenn man sich ihnen mit Offenheit und Neugier nähert. Goethe betont die erhebende und erfreuliche Wirkung, die Poesie auf den Leser haben kann. Die leuchtenden Farben und die kunstvollen Verzierungen der Fensterscheiben symbolisieren die Vielfalt und den Reichtum der poetischen Ausdrucksformen. Sie können den Betrachter inspirieren, erbauen und seine Augen erfreuen, indem sie ihm neue Perspektiven und Einsichten vermitteln.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Dies wird euch Kindern Gottes taugen
- Bildsprache
- Sieht man vom Markt in die Kirche hinein, Da ist alles dunkel und düster
- Direkte Ansprache
- Erbaut euch und ergetzt die Augen
- Hyperbel
- Bedeutend wirkt ein edler Schein
- Kontrast
- Da ist's auf einmal farbig helle, Geschicht und Zierat glänzt in Schnelle
- Metapher
- Gedichte sind gemalte Fensterscheiben
- Personifikation
- Und so sieht's auch der Herr Philister