Gedenkst du noch?
1843Gedenkst du noch, wenn in der Frühlingsnacht Aus unserm Kammerfenster wir hernieder Zum Garten schauten, wo geheimnisvoll Im Dunkel dufteten Jasmin und Flieder? Der Sternenhimmel über uns so weit, Und du so jung; unmerklich geht die Zeit.
Wie still die Luft! Des Regenpfeifers Schrei Scholl klar herüber von dem Meeresstrande; Und über unsrer Bäume Wipfel sahn Wir schweigend in die dämmerigen Lande. Nun wird es wieder Frühling um uns her, Nur eine Heimat haben wir nicht mehr.
Nun horch ich oft, schlaflos in tiefer Nacht, Ob nicht der Wind zur Rückfahrt möge wehen. Wer in der Heimat erst sein Haus gebaut, Der sollte nicht mehr in die Fremde gehen! Nach drüben ist sein Auge stets gewandt: Doch eines blieb - wir gehen Hand in Hand.
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Interpretation
Das Gedicht "Gedenkst du noch?" von Theodor Storm erinnert an eine vergangene Zeit der Liebe und Verbundenheit. Es beschreibt eine gemeinsame Erinnerung an eine Frühlingsnacht, in der das Paar aus dem Fenster auf den duftenden Garten blickt. Die Atmosphäre ist von tiefer Stille und Weite geprägt, symbolisiert durch den weiten Sternenhimmel und die Jugend der Geliebten. Die Zeit scheint unmerklich zu vergehen, während sie in diesem Moment der Zweisamkeit versinken. Die zweite Strophe führt die Idee der Vergänglichkeit ein. Obwohl es wieder Frühling wird, haben die Liebenden ihre Heimat verloren. Der Regenpfeifer, der vom Strand herüberruft, und der Blick in die dämmerigen Lande über den Baumwipfeln verstärken das Gefühl der Sehnsucht und des Verlusts. Die Stille der Luft und die gemeinsame schweigende Betrachtung der Umgebung unterstreichen die Intimität und Tiefe ihrer Beziehung, die nun durch die räumliche Trennung getrübt wird. In der letzten Strophe drückt der Sprecher seine Sehnsucht nach der Rückkehr in die Heimat aus. Er lauscht in den Nächten dem Wind, in der Hoffnung, dass er die Rückfahrt ermöglichen möge. Die Zeile "Wer in der Heimat erst sein Haus gebaut, Der sollte nicht mehr in die Fremde gehen!" verdeutlicht den Wunsch nach Beständigkeit und Wurzeln. Trotz der räumlichen Distanz bleibt die Hand in Hand gehende Verbundenheit bestehen, was die unzerstörbare Natur ihrer Liebe symbolisiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Des Regenpfeifers Schrei
- Bildlichkeit
- Der Sternenhimmel über uns so weit
- Kontrast
- Und du so jung; unmerklich geht die Zeit
- Personifikation
- Wo geheimnisvoll im Dunkel dufteten Jasmin und Flieder
- Symbolik
- Wir gehen Hand in Hand