Geburtsweihe

Christian Wagner

1835

Nun du wiederkamest nach der frommen Süßen Rast, Sei willkommen uns, o sei willkommen kleiner Gast! Glück und Segen möge dich geleiten Um und an, noch hast du den Blick in ferne Weiten Nicht gethan.

Hier die Brote, dort des heil′gen Weines Fromm Getränk: Laßt uns feiern heut der Gottheit reines Weihgeschenk, Und indem dein Bettlein wir umwandern Schritt für Schritt, Bring ein Jedes von uns einen andern Wunsch dir mit:

Diese Stirne möge samt der Augen Feuchtem Glanz Zum Altare hoher Schönheit taugen Rein und ganz; Diese Ärmchen niemals um je treiben Unrecht Gut, Diese Händchen wie sie heut sind, bleiben Rein von Blut.–

Ja und Amen denn! – Zum Schluß des Ganzen Nicht vergeßt Auch ein kleines Bäumchen ihm zu pflanzen Heut zum Fest. Um das Bettlein eine Blättergarbe Walle kühn, Daß dem Auge ewigheil′ge Farbe Sei das Grün!

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Illustration zu Geburtsweihe

Interpretation

Das Gedicht "Geburtsweihe" von Christian Wagner ist ein feierliches Gedicht, das die Geburt eines Kindes als heiliges Ereignis feiert. Es beginnt mit einer herzlichen Begrüßung des Neugeborenen, der aus einer "frommen süßen Rast" zurückgekehrt ist. Der Dichter wünscht dem Kind Glück und Segen und betont, dass es noch nicht den Blick in die weite Welt gewagt hat. Das Gedicht ruft dazu auf, das Kind mit Brot und Wein zu feiern und ihm als "Weihgeschenk" der Gottheit zu huldigen. Im zweiten Teil des Gedichts werden Wünsche für das Kind ausgesprochen. Der Dichter wünscht sich, dass die Stirn und die Augen des Kindes rein und schön bleiben, dass seine Arme niemals nach unrechtem Gut greifen und dass seine Hände rein von Blut bleiben. Diese Wünsche verdeutlichen den Wunsch des Dichters nach einem moralisch einwandfreien und tugendhaften Leben für das Kind. Das Gedicht endet mit dem Aufruf, ein kleines Bäumchen zu pflanzen, um das Bettchen des Kindes herum. Dieses Bäumchen soll eine immergrüne Blättergarbe bilden, die dem Auge eine ewige heilige Farbe verleiht. Diese symbolische Geste unterstreicht die Bedeutung der Geburt als ein Ereignis, das mit der Natur und dem Leben selbst verbunden ist.

Schlüsselwörter

heut willkommen möge bettlein schritt rein wiederkamest frommen

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Stilmittel

Anapher
Nun du wiederkamest nach der frommen / Süßen Rast, / Sei willkommen uns, o sei willkommen / kleiner Gast!
Apostrophe
Sei willkommen uns, o sei willkommen / kleiner Gast!
Bildsprache
Und indem dein Bettlein wir umwandern / Schritt für Schritt
Hyperbel
Diese Händchen wie sie heut sind, bleiben / Rein von Blut.
Metapher
Zum Altare hoher Schönheit
Personifikation
Laßt uns feiern heut der Gottheit reines / Weihgeschenk
Symbolik
Um das Bettlein eine Blättergarbe / Walle kühn, / Daß dem Auge ewigheil′ge Farbe / Sei das Grün!