Gebet

Edgar Allan Poe

1942

Am Morgen - am Mittag - im Abendlicht Vernahmst Du, Maria, mein Lobgedicht. In Lust und Leid - in Wonne und Weh, Gott-Mutter, auch fernerhin mit mir geh! Als strahlende Stunden heiter entwichen Und keine Wolken den Himmel durchstrichen, Führtest Du gnädig die Seele mir Hin zu den Deinen, hin zu Dir. Nun, da Schicksalsstürme schrecken, Dunkel mein Heute, mein Gestern bedecken, Laß mein Morgen strahlend scheinen Im holden Hoffen auf Dich und die Deinen!

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Interpretation

Das Gedicht "Gebet" von Edgar Allan Poe ist ein religiöses Werk, das die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs mit der Gottesmutter Maria zum Ausdruck bringt. Es wird ein lebenslanger, unerschütterlicher Glaube dargestellt, der die Höhen und Tiefen des Daseins umfasst. Das lyrische Ich bittet Maria, es stets zu begleiten und zu beschützen, und zeigt damit eine Abhängigkeit von der göttlichen Mutterfigur, die Trost und Führung bietet. Die Struktur des Gedichts folgt dem Verlauf eines Tages, beginnend am Morgen, über den Mittag bis zum Abend, was die Kontinuität des Gebets und der Hingabe symbolisiert. Die Erwähnung der "strahlenden Stunden" und des wolkenlosen Himmels deutet auf Zeiten des Glücks und der Klarheit hin, in denen die Seele zu Maria und den Ihrigen geführt wurde. Diese positive Vergangenheit kontrastiert mit der Gegenwart, in der das lyrische Ich von "Schicksalsstürmen" geplagt wird und in Dunkelheit versinkt. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten und des "dunklen Heute" hofft das lyrische Ich auf ein "strahlendes Morgen", das durch die "holde Hoffnung" auf Maria und ihre Gemeinschaft erhellt wird. Das Gedicht endet mit einer Bitte um zukünftigen Schutz und Führung, was die beständige Beziehung zum Göttlichen unterstreicht. Die Wiederholung des Flehens und die Anrufung Marias als "Gott-Mutter" betonen die Intimität und das Vertrauen in ihre mütterliche Fürsorge.

Schlüsselwörter

morgen hin mittag abendlicht vernahmst maria lobgedicht lust

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Stilmittel

Anapher
Am Morgen - am Mittag - im Abendlicht Vernahmst Du, Maria, mein Lobgedicht. In Lust und Leid - in Wonne und Weh
Hyperbel
Nun, da Schicksalsstürme schrecken
Parallelismus
Dunkel mein Heute, mein Gestern bedecken Laß mein Morgen strahlend scheinen
Personifikation
Und keine Wolken den Himmel durchstrichen
Symbolik
Im holden Hoffen auf Dich und die Deinen