Gebet des taubstummen Knaben
1929Gott, der du schwer auf meiner Lippe ruhst, Und ist kein Tun, das du nicht tust, Du schläfst im Ohr mir diesen tiefen Schlaf. Da ich dich unter Mandelbäumen traf, Du gingst umhüllt von roten Blüten ganz. Ich stand gebückt, ich losch in deinem Glanz, Ich sank beschwert von deiner Pracht dahin. Und ängste, Hoher, dem ich nahe bin, Daß ich dir mehr entfernt und steinern werde - Nimm doch, o Gott, mit deiner Glanzgebärde Zurück den falschen Blick, der dich verkennt. Aus dieser bunten Ferne, die dich trennt, O kehre zur erloschnen Höhle gnädig ein!
Wie dunkeln Krug erfüllend fließt ein Wein.
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Interpretation
Das Gedicht "Gebet des taubstummen Knaben" von Maria Luise Weissmann ist ein tiefgründiges und berührendes Werk, das die innere Zerrissenheit und Sehnsucht eines Menschen nach Verbindung mit Gott zum Ausdruck bringt. Der Sprecher, ein taubstummer Junge, beschreibt seine Beziehung zu Gott als eine, die von Distanz und Missverständnis geprägt ist. Der Junge fühlt sich von Gott entfernt und missverstanden, da er aufgrund seiner Behinderung nicht in der Lage ist, seine Gedanken und Gefühle verbal auszudrücken. Er sehnt sich danach, dass Gott seine innere Welt versteht und zu ihm kommt, um ihn zu erlösen. Die Bilder von Mandelblüten und Wein deuten auf eine tiefe spirituelle Sehnsucht hin, die den Jungen erfüllt, aber auch belastet. Das Gedicht endet mit einem Appell an Gott, der als "Hoher" bezeichnet wird, und der um Gnade und Verständnis bittet. Der Junge bittet Gott, seine "falsche" Sichtweise zu korrigieren und in seine "erloschene Höhle" zu kommen, um ihn zu erlösen und zu heilen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe spirituelle Sehnsucht und den Wunsch nach einer tieferen Verbindung mit Gott, trotz der Hindernisse, die durch die Behinderung des Jungen entstehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Wie dunkeln Krug erfüllend fließt ein Wein
- Personifikation
- Gott, der du schwer auf meiner Lippe ruhst