Gebet

Max von Schenkendorf

1783

Wir stehen hier aufs Sterben, Der Tod ist uns ein Spott. Laß uns den Himmel erben, Du ewig treuer Gott. Sind wir gleich voller Schulden Und ohne großen Ruhm, Wir sind dein Eigenthum, Und du bist reich an Hulden.

Fern von den Thermopylen Kommt uns ein ernstes Wort, Wo wackre Streiter fielen Als ihres Landes Hort; Was Heiden haben könnten Mit festem treuem Muth, Das höchste sel′ge Gut Wirst du den Christen gönnen.

Die für den Christ gestritten, Sie scheinen herzuschau′n, Die Glaubenstod erlitten, Die Männer, Kinder, Frau′n, Mit ihren Marterzeichen; Die sel′ge Zeugenschaar Scheint auch für unser Haar Die Palmen herzureichen.

Der uns vorangeschritten Ein Herzog in dem Schmerz, Der Herr ist in der Mitten Und spricht an jedes Herz. Die Welt liegt in den Ketten Der bösen dunkeln Macht, Die Hölle zürnt und wacht, Wer will die Welt erretten?

Es ist ein schönes Kriegen In solchem heil′gen Haß, Und auch erschlagen liegen Im grünen kühlen Gras. All′ Sehnen und all′ Streben, Wie wird es leicht gestillt, Bei Feldmusik entquillt Der Brust das warme Leben.

Wir haben uns verschworen Fürs Heil der ganzen Welt, - Der wird zum Licht geboren, Wer heute rühmlich fällt. Das ist ein leichtes Sterben, Das ist ein süßer Tod, Wenn′s gilt aus bittrer Noth Die ew′ge Lust zu erben.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Gebet

Interpretation

Das Gedicht "Gebet" von Max von Schenkendorf ist ein patriotisches und religiöses Werk, das den Mut und die Hingabe der Soldaten im Kampf für ihr Land und ihren Glauben besingt. Der Sprecher betont die Sterblichkeit der Menschen und bittet Gott um Erbarmen und Schutz. Trotz der Lasten und des Mangels an Ruhm fühlen sich die Soldaten als Eigentum Gottes und vertrauen auf seine Fülle an Gnaden. Das Gedicht erinnert an die antiken Thermopylen, wo tapfere Kämpfer für ihr Land fielen, und vergleicht ihren Mut mit dem der Christen, die für ihren Glauben kämpfen. Der Sprecher ruft die Märtyrer des Christentums an, die für ihren Glauben gestorben sind, und bittet sie um Fürsprache. Der Herr selbst wird als Mittler zwischen den Soldaten und Gott dargestellt, der die Herzen der Kämpfer berührt und sie dazu aufruft, die Welt zu retten. Der Sprecher beschreibt den Krieg als einen "schönen Kampf" in heiligem Hass, bei dem die Soldaten bereit sind, ihr Leben für das Heil der ganzen Welt zu opfern. Der Tod wird als leicht und süß dargestellt, wenn er im Kampf für die ewige Freude und Erlösung fällt. Die Musik auf dem Schlachtfeld wird als Quelle des Lebens und der Stärke für die Soldaten beschrieben. Das Gedicht endet mit der Überzeugung, dass diejenigen, die im Kampf für das Heil der Welt sterben, zu Licht und Erlösung geboren werden.

Schlüsselwörter

welt sterben tod erben sel heil all stehen

Wortwolke

Wortwolke zu Gebet

Stilmittel

Anapher
Die für den Christ gestritten, Sie scheinen herzuschau′n
Hyperbel
Das ist ein süßer Tod
Kontrast
All′ Sehnen und all′ Streben
Personifikation
Der wird zum Licht geboren
Symbolik
Die Palmen herzureichen