Gebet
1788Gott, inbrünstig möcht ich beten, Doch der Erde Bilder treten Immer zwischen dich und mich, Und die Seele muß mit Grauen Wie in einen Abgrund schauen, Strenger Gott, ich fürchte dich!
Ach, so brich auch meine Ketten! Alle Menschen zu erretten, Gingst du ja in bittern Tod. Irrend an der Hölle Toren, Ach, wie bald bin ich verloren, Hilfst du nicht in meiner Not!
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Gebet" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Menschen, der sich in seinem Gebet an Gott wendet, aber von den Bildern der Erde abgelenkt wird. Er fühlt sich von Gott bedroht und fürchtet sich vor seiner Strenge. Er bittet Gott, seine Ketten zu sprengen und ihm zu helfen, denn er weiß, dass Gott selbst in den Tod gegangen ist, um die Menschen zu retten. Er fühlt sich verloren und hilflos, wenn Gott ihm nicht beisteht. Das Gedicht ist in zwei Strophen gegliedert, die jeweils aus vier Versen bestehen. Die erste Strophe beschreibt die Schwierigkeit des Gebets, die zweite die Bitte um Erlösung. Die Reime sind durchgehend und folgen dem Schema abab. Die Sprache ist bildhaft und emotional, sie verwendet Metaphern wie "Erde Bilder", "Abgrund" und "Hölle Toren", um die innere Zerrissenheit des Sprechers auszudrücken. Der Ton ist flehend und verzweifelt, er zeigt die Abhängigkeit des Menschen von Gott und seine Sehnsucht nach seiner Gnade. Das Gedicht spiegelt die religiöse Haltung des Dichters wider, der ein gläubiger Katholik war. Er bekennt sich zu Gott als seinem Schöpfer und Richter, aber auch als seinem Erlöser und Retter. Er erkennt seine eigene Sündhaftigkeit und Schwäche an, aber auch seine Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit. Er drückt seine Liebe zu Gott aus, aber auch seine Furcht vor ihm. Er zeigt seine Dankbarkeit für Gottes Opfer am Kreuz, aber auch seine Bitte um seine Hilfe im Leben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Immer zwischen dich und mich
- Apostrophe
- Strenger Gott, ich fürchte dich!
- Hyperbel
- Alle Menschen zu erretten
- Metapher
- Und die Seele muß mit Grauen / Wie in einen Abgrund schauen
- Personifikation
- Irrend an der Hölle Toren