Gebet
1911Die du, über die Sterne weg, mit der geleerten Schale aufschwebst, um sie am ew′gen Born eilig wieder zu füllen: einmal schwenke sie noch, o Glück, einmal, lächelnde Göttin! Sieh, ein einziger Tropfen hängt noch verloren am Rande, und der einzige Tropfen genügt, eine himmlische Seele, die hier unten im Schmerz erstarrt, wieder in Wonne zu lösen. Ach! sie weinet dir süßeren Dank als die anderen alle, die du glücklich und reich gemacht; laß ihn fallen, den Tropfen!
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Interpretation
Das Gedicht "Gebet" von Friedrich Hebbel ist ein poetisches Flehen um Erlösung und Glück. Die Sprecherin wendet sich an eine höhere Macht, symbolisiert durch die Göttin des Glücks, und bittet um einen einzigen Tropfen aus der "geleerten Schale", der ausreichen soll, um eine "himmlische Seele" aus dem Schmerz zu befreien und in Wonne zu versetzen. Die Schale, die über die Sterne hinweg zum ewigen Born aufsteigt, um sich wieder zu füllen, symbolisiert die unendliche Suche nach Glück und Erfüllung. Die Bitte um einen einzigen Tropfen unterstreicht die Intensität des Leidens der Seele und die Hoffnung auf eine wundersame Erlösung. Die Seele, die "hier unten im Schmerz erstarrt" ist, wird als wertvoll und himmlisch dargestellt, was die Tiefe des Leidens und die Sehnsucht nach Erlösung noch verstärkt. Die Sprecherin betont, dass der Dank dieser einen Seele süßer sein wird als der aller anderen, die bereits glücklich und reich gemacht wurden. Das Gedicht endet mit einer eindringlichen Aufforderung an die Göttin des Glücks, den Tropfen fallen zu lassen. Dies unterstreicht die Dringlichkeit und Verzweiflung der Bitte und lässt den Leser die Intensität des Gebets und die Hoffnung auf eine wundersame Wende nachempfinden. Das Gedicht vermittelt somit eine tief empfundene Sehnsucht nach Erlösung und Glück, die in der Hoffnung auf einen einzigen Tropfen Ausdruck findet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- ein einziger Tropfen hängt noch verloren am Rande
- Hyperbel
- sie weinet dir süßeren Dank als die anderen alle
- Kontrast
- die hier unten im Schmerz erstarrt, wieder in Wonne zu lösen
- Metapher
- mit der geleerten Schale aufschwebst, um sie am ew′gen Born eilig wieder zu füllen
- Personifikation
- lächelnde Göttin