Garten

Oskar Loerke

1940

Besänftigender Winde Schritte Sind in der Hecke auf der Wacht, Von Laurin, Herrn der Jahresmitte Und Herrn der Rosen, angefacht.

Es ist, sie fegen aus dem Garten, Mit sommerheiterer Geduld, Was weither weht: soviel des Harten, Soviel der Qual, soviel der Schuld.

Soviel der Unschuld nährt im Engen Das Feuer, menschenunerweckt; Es kann davon die Hand versengen, Was eine halbe Hand bedeckt.

Verwunschen stille Selbstgefühle, Kokardenblume, Bärenklau. Verschollner Gram und Ahnungskühle Lavendelruch, Lavendelblau.

Gedanken viel im Eingedanken, An Balsamquellen Schar bei Schar, So spielen Sterne, Glocken, Ranken Nach außen, was geist-innen war.

Entblättern Rosen mit dem Tage, So scheinen sie alther zu schnein Zu ihres bösen Königs Klage Aus spitzem Dolomitgestein.

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Illustration zu Garten

Interpretation

Das Gedicht "Garten" von Oskar Loerke beschreibt einen Garten, der von Laurin, dem Herrn der Jahresmitte und der Rosen, bewacht wird. Der Wind fegt sanft durch die Hecke und beseitigt alles Harte, Qualvolle und Schuldvolle, das von außen hereindringt. Der Garten ist ein Ort der Ruhe und Unschuld, wo ein kleines Feuer unbemerkt von Menschen lodert und die Hand versengen kann, wenn man es berührt. Im Garten herrschen verzauberte, stille Selbstgefühle und vergessene Gefühle wie Kummer und Ahnungskälte. Der Duft und die Farbe des Lavendels symbolisieren diese vergessenen Emotionen. Gedanken und Ideen spielen im Garten wie Sterne, Glocken und Ranken, die nach außen tragen, was im Inneren des Geistes verborgen war. Die Rosen im Garten verlieren mit der Zeit ihre Blütenblätter, als würden sie aus spitzenem Dolomitgestein hervortreten, um den Kummer ihres bösen Königs zu beklagen. Der Garten ist somit ein Ort der Schönheit und Vergänglichkeit, an dem sich die Natur und die menschlichen Emotionen auf komplexe Weise verflechten.

Schlüsselwörter

soviel herrn rosen hand schar besänftigender winde schritte

Wortwolke

Wortwolke zu Garten

Stilmittel

Alliteration
sommerheiterer Geduld
Bildlichkeit
An Balsamquellen Schar bei Schar
Hyperbel
soviel des Harten, Soviel der Qual, soviel der Schuld
Kontrast
Soviel der Unschuld nährt im Engen Das Feuer, menschenunerweckt
Metapher
aus spitzem Dolomitgestein
Parallelismus
So spielen Sterne, Glocken, Ranken
Personifikation
Besänftigender Winde Schritte Sind in der Hecke auf der Wacht
Symbolik
Kokardenblume, Bärenklau
Synästhesie
Lavendelruch, Lavendelblau