Galaswinte
1825Im Saale jubelt Hochzeit - Die Arme vor dem Busen Kreuzt Fredegund in Demut, Des Königs listge Buhlin: “Ich bin die Magd und leuchte Dem Bräutchen auf die Kammer!” Die Alabasterampel Mit römischen Skulpturen Die schwebend einst geschimmert In stillem Grabesdunkel Trägt Fredegund in Demut Und hellt die Hochzeitskammer, Sie setzt die Ampel nieder Und geht und lächelt tückisch. Die zarte Galaswinte Blickt in die wehnde Flamme, Die Flamme loht und flackert Die Ampel springt in Scherben, Die Fürstin weint im Dunkel: “Die mich gebracht aus Spanien, Dein Kind dem Frankenkönig, Jetzt drehst du auf dem Rosse Im Schein der Wanderfackel Noch einmal dich und breitest Nach mir die Arme, Mutter!”
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Interpretation
Das Gedicht "Galaswinte" von Conrad Ferdinand Meyer erzählt eine tragische Geschichte von Verrat und Rache. Es beginnt mit einer Hochzeitsfeier, bei der Fredegund, die Geliebte des Königs, in Demut die Braut Galaswinte begleitet. Fredegund trägt eine Alabasterampel mit römischen Skulpturen, die einst in einem Grab geleuchtet hat, und erhellt damit die Hochzeitskammer. Doch hinter ihrer demütigen Fassade verbirgt sich ein tückisches Lächeln. Die zarte Galaswinte blickt in die flackernde Flamme der Ampel, die plötzlich in Scherben springt und die Fürstin im Dunkeln zurücklässt. In ihrem Schmerz erkennt Galaswinte, dass Fredegund, die sie einst aus Spanien mitbrachte und dem Frankenkönig als Braut anbot, nun Rache an ihr nimmt. Fredegund dreht sich auf dem Pferd im Schein einer Wanderfackel noch einmal um und breitet ihre Arme nach Galaswinte aus, als wollte sie sie umarmen oder erneut in den Abgrund reißen. Das Gedicht thematisiert die Zerstörung einer unschuldigen Braut durch eine eifersüchtige und rachsüchtige Rivalin. Die Alabasterampel symbolisiert dabei das zerbrechliche Glück der Braut, das durch Fredegunds Intrige zerschellt. Die römischen Skulpturen in der Ampel deuten auf die Vergänglichkeit und die dunklen Abgründe der menschlichen Seele hin. Am Ende bleibt Galaswinte allein im Dunkeln zurück, verraten von der Frau, der sie einst vertraute.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Arme vor dem Busen
- Anapher
- Die Ampel springt in Scherben, Die Fürstin weint im Dunkel
- Ironie
- Jetzt drehst du auf dem Rosse
- Metapher
- Die zarte Galaswinte
- Personifikation
- Die Flamme loht und flackert
- Reimschema
- AABB
- Symbolik
- Die Alabasterampel