Gänsezug
unknownDie erste Gans im Gänsezug, Sie schnattert: »Seht, ich führe!« Die letzte Gans im Gänsezug, Sie schnattert: Seht, ich leite!«
Und jede Gans im Gänsezug, Sie denkt: »- Daß ich mich breite So selbstbewußt, das kommt daher, Weil ich, ein unumschränkter Herr, Denn Weg mir wähl nach eignem Sinn, All meiner Schritte Schreiter bin Und meine Freiheit spüre!«
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Interpretation
Das Gedicht "Gänsezug" von Marie von Ebner-Eschenbach handelt von einer Gruppe Gänse, die in einer Reihe fliegen. Die erste Gans glaubt, sie führe die Gruppe, während die letzte Gans meint, sie leite sie. Jede Gans im Gänsezug ist überzeugt davon, dass sie selbstbewusst und frei handelt, da sie ihren eigenen Weg wählt und ihre Schritte selbst bestimmt. Die Ironie des Gedichts liegt darin, dass jede Gans in der Reihe glaubt, sie sei diejenige, die die Führung übernimmt oder die Richtung vorgibt. In Wirklichkeit sind sie jedoch alle Teil einer kollektiven Bewegung, bei der jede Gans der anderen folgt. Das Gedicht verdeutlicht die menschliche Neigung, sich selbst als den Mittelpunkt des Geschehens zu sehen und die eigene Rolle in einem größeren Zusammenhang zu überschätzen. Die letzte Strophe des Gedichts verdeutlicht die Selbstüberschätzung der Gänse. Sie glauben, dass ihre selbstbewusste Haltung daher rührt, dass sie "unumschränkte Herrscher" sind und ihren eigenen Weg wählen. In Wahrheit sind sie jedoch alle Teil einer kollektiven Bewegung, bei der jede Gans der anderen folgt. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die eigene Rolle in der Gesellschaft und die Bedeutung von Individualität und Gemeinschaft an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Und jede Gans im Gänsezug, sie denkt: 'Daß ich mich breite'
- Ironie
- Die letzte Gans im Gänsezug, sie schnattert: 'Seht, ich leite!'
- Personifikation
- Die erste Gans im Gänsezug, sie schnattert: 'Seht, ich führe!'
- Selbstüberschätzung
- All meiner Schritte Schreiter bin und meine Freiheit spüre!