Fußreise

Eduard Mörike

1828

Am frischgeschnittnen Wanderstab, Wenn ich in der Frühe So durch die Wälder ziehe, Hügel auf und ab: Dann, wie′s Vögelein im Laube Singet und sich rührt, Oder wie die goldne Traube Wonnegeister spürt In der ersten Morgensonne, So fühlt auch mein alter, lieber Adam Herbst- und Frühlingsfieber, Gottbeherzte, Nie verscherzte Erstlings-Paradieseswonne. Also bist du nicht so schlimm, o alter Adam, wie die strengen Lehrer sagen: Liebst und lobst du immer doch, Singst und preisest immer noch, Wie an ewig neuen Schöpfungstagen, Deinen lieben Schöpfer und Erhalter! Möcht′ es dieser geben! Und mein ganzes Leben Wär′ im leichten Wanderschweiße Eine solche Morgenreise.

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Illustration zu Fußreise

Interpretation

Das Gedicht "Fußreise" von Eduard Mörike beschreibt die Freude und das Glück, das der Sprecher beim Wandern durch die Natur erfährt. Der frisch geschnitzte Wanderstab und die morgendliche Wanderung durch die Wälder symbolisieren die Verbundenheit des Sprechers mit der Natur und seine Begeisterung für das Leben. Der Sprecher vergleicht sein eigenes Gefühl der Freude mit dem Gesang und der Bewegung der Vögel im Laub und der Traube, die die Wärme der ersten Morgensonne spürt. Dieses Gefühl wird als "Adam Herbst- und Frühlingsfieber" bezeichnet, was auf eine Art von Verliebtheit in die Natur und das Leben hindeutet. Der Sprecher betont, dass dieses Gefühl nie verschwendet oder verloren gegangen ist und dass es eine Art von "Erstlings-Paradieseswonne" ist. Der Sprecher verteidigt den "alten Adam", der oft als Symbol für die Sünde und den Fall des Menschen gilt, indem er sagt, dass er nicht so schlimm ist, wie es die strengen Lehrer behaupten. Stattdessen lobt und preist der alte Adam immer noch die Natur und den Schöpfer, ähnlich wie an den ersten Schöpfungstagen. Der Sprecher wünscht sich, dass sein ganzes Leben eine solche morgendliche Wanderung sein möge, bei der er die Natur und das Leben in vollen Zügen genießen kann.

Schlüsselwörter

alter adam frischgeschnittnen wanderstab frühe wälder ziehe hügel

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Stilmittel

Alliteration
Erstlings-Paradieseswonne
Anapher
Liebst und lobst du immer doch, Singst und preisest immer noch
Apostrophe
o alter Adam
Enjambement
Am frischgeschnittnen Wanderstab, / Wenn ich in der Frühe
Hyperbel
Deinen lieben Schöpfer und Erhalter
Kontrast
Adam Herbst- und Frühlingsfieber
Metapher
Adam Herbst- und Frühlingsfieber
Personifikation
wie die goldne Traube Wonnegeister spürt
Symbolik
Wanderschweiße
Vergleich
Dann, wie's Vögelein im Laube Singet und sich rührt