Furcht und Glaube

Charlotte von Ahlefeld

unknown

Wenn zwischen uns sich weite Fernen dehnen, Kein milder Strahl des Wiedersehens glimmt, Und in des Busens tief verschlossnem Sehnen Mein Herz der Hoffnung Stimme nicht vernimmt; Dann hüllt die Furcht, die leis′ in mir erwacht, Die ganze Welt mir in der Schwermuth Nacht.

Doch, wenn ich still mein liebend Herz befrage, Dann flieht der Zweifel, ob Du mein gedenkst. Wie Geisterhauch umweht mich Deine Klage In Seufzern, die Du meinem Schicksal schenkst, Und schnell verscheucht mein Glaube, ohne Wanken, Des Argwohns bange, zagende Gedanken.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Furcht und Glaube

Interpretation

Das Gedicht "Furcht und Glaube" von Charlotte von Ahlefeld thematisiert die Gefühle von Trennung und Sehnsucht. Die lyrische Ich-Figur leidet unter der räumlichen Distanz zu ihrem Geliebten und der damit einhergehenden Ungewissheit über dessen Gefühle. In der ersten Strophe wird die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in der Trennungssituation beschrieben. Die "Furcht" breitet sich wie eine dunkle Nacht aus und lässt die Welt bedrohlich erscheinen. Die zweite Strophe bringt eine Wendung. Indem sich die lyrische Ich-Figur auf ihre eigenen Gefühle und ihren "liebend Herz" besinnt, gewinnt sie neuen Mut und Zuversicht. Die "Furcht" weicht dem "Glauben" an die Liebe des Geliebten. Die "Klage" und "Seufzer", die der Geliebte der lyrischen Ich-Figur "schenkt", werden als Zeichen seiner Zuneigung gedeutet. Der "Argwohn" und die "zagenden Gedanken" werden von dem starken Glauben an die Liebe vertrieben. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes in Zeiten der Trennung. Auch wenn die äußeren Umstände bedrohlich erscheinen, kann die Kraft der inneren Gefühle und des Glaubens an die Liebe die Furcht überwinden. Die lyrische Ich-Figur findet in sich selbst die Stärke, an die Treue des Geliebten zu glauben und die schwierige Situation zu meistern.

Schlüsselwörter

herz zwischen weite fernen dehnen kein milder strahl

Wortwolke

Wortwolke zu Furcht und Glaube

Stilmittel

Alliteration
schnell verscheucht mein Glaube
Bildlichkeit
Die ganze Welt mir in der Schwermuth Nacht
Kontrast
Furcht und Glaube
Metapher
Wie Geisterhauch umweht mich Deine Klage
Personifikation
Des Argwohns bange, zagende Gedanken