Für Namenstage
1856Ist es nicht Verwegenheit Einen Namenstag zu feiern, Ein Gedicht herunterleiern Und mit Selbstgenügsamkeit Seinen Antheil drin betheuern?
Freilich ist es viel gewagt. Denn was soll an solchen Tagen Anders mehr der Kluge sagen, Als daß nun der Tag getagt, Im Kalender nachzuschlagen?
Wahrlich, namenlose Pein Auf den Namenstag zu singen, Ihm Gedanken abzuringen! Darum in den Tag hinein Muß der gute Sänger singen.
Und er merket sich den Rath, Und er mag hier ohne Zaudern, Sonder Etiketteschaudern, Was er auf dem Herzen hat Mit Gelegenheit verplaudern.
So zum Beispiel: schöne Frau, Freund, o bester, Sie verzeihen, Theures Mädchen, Ihnen weihen Möcht ich - Freund, ja mir vertrau, Willst du mir zwei Hundert leihen?
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Interpretation
Das Gedicht "Für Namenstage" von Ludwig Eichrodt handelt von der Schwierigkeit, ein passendes Gedicht für einen Namenstag zu verfassen. Der Autor stellt die Frage, ob es nicht verwegen ist, einen Namenstag zu feiern und ein Gedicht herunterzuleiern, um damit seine eigene Genügsamkeit zu beweisen. Er betont, dass es gewagt ist, an solchen Tagen etwas Kluges zu sagen, da der Tag selbst bereits im Kalender nachgeschlagen werden kann. Eichrodt beschreibt die namenlose Pein, die es bedeutet, auf einen Namenstag hin Lieder zu singen und Gedanken abzuringen. Er empfiehlt dem guten Sänger, einfach in den Tag hinein zu singen, ohne sich zu sehr um Etikette und Konventionen zu kümmern. Der Dichter rät dazu, Gelegenheiten zu nutzen, um das auszudrücken, was einem auf dem Herzen liegt. Am Ende des Gedichts gibt Eichrodt ein Beispiel dafür, wie man ein Gedicht für einen Namenstag verfassen kann. Er schlägt vor, die schöne Frau, den besten Freund oder das teure Mädchen anzusprechen und ihnen etwas zu widmen. Dabei spielt er mit dem Gedanken, dem Freund zwei Hundert zu leihen, was als humorvolle Anspielung auf die finanzielle Seite eines solchen Anlasses verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Im Kalender nachzuschlagen
- Direkte Anrede
- schöne Frau, Freund, o bester, Sie verzeihen, Theures Mädchen, Ihnen weihen
- Hyperbel
- Wahrlich, namenlose Pein Auf den Namenstag zu singen
- Ironie
- Einen Namenstag zu feiern, Ein Gedicht herunterleiern Und mit Selbstgenügsamkeit Seine Antheil drin betheuern?
- Metapher
- Und er mag hier ohne Zaudern, Sonder Etiketteschaudern
- Rhetorische Frage
- Ist es nicht Verwegenheit Einen Namenstag zu feiern?