Für Mary aus Ahlbeck

Georg Heym

1910

Wir lagen tief in einer Dünenschlucht, Bei Himbeersträuchern, sahn die Kämme nur Der hohen Dünen, und der Sonne Spur, Der Mittagsstunden langsam ziehnde Flucht.

Das Blut empfing den Kuß der Sonne tief, Der ganze Leib empfing die warme Flut, o welch ein Glück, da in der Sonne Glut, Im goldnen Licht das ferne Leid entschlief.

Und langsam sang die Stille uns in Schlaf, Wir hörten′s kaum noch, wenn der Wind vom Meer Der Schiffer Stimmen trug zu uns einher, Und selten Hufschlag noch das Ohr uns traf.

Wie Götter ruhten wir im goldnen Raum. Des Winds Oboen, und des Sandes Klingen, Der Halme Zittern, und der Bienen Singen, Sie klangen leise in den süßen Traum.

Und manches Mal erwachten wir vom Schrei Der weißen Möwen, der zu Häupten klang, Und wenn der Wellen Brausen lauter drang Im aufgefrischten Winde uns herbei.

Dann sahen wir ins tiefe Himmelsblauen. o weites Reich, das unser Blick durchflog! Ein Silberwölkchen nur im Lichte zog, Dianas Bogen war es gleich zu schauen.

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Illustration zu Für Mary aus Ahlbeck

Interpretation

Das Gedicht "Für Mary aus Ahlbeck" von Georg Heym ist eine sinnliche Liebeserklärung an die Natur und die Zweisamkeit mit einer geliebten Person. Die Szenerie spielt in einer Dünenlandschaft, wo sich die beiden Protagonisten in einer tiefen Dünenschlucht zurückgezogen haben. Die Beschreibung der Umgebung ist geprägt von einer ruhigen, fast meditativen Atmosphäre, die durch die Mittagssonne und das sanfte Rascheln der Natur entsteht. Die zweite Strophe betont das Gefühl von Glück und Geborgenheit, das die beiden in der warmen Umarmung der Sonne empfinden. Das "ferne Leid" scheint in diesem Moment der Zweisamkeit in Vergessenheit zu geraten. Die Stille, die sie umgibt, wird zum Wiegenlied, das sie in einen süßen Traum wiegt. Die Geräusche der Umgebung, wie der Wind vom Meer, die Stimmen der Schiffer und der Hufschlag, dringen nur noch gedämpft zu ihnen durch. In der vierten Strophe wird die Verbindung zur Natur noch intensiver. Die beiden fühlen sich wie Götter in diesem goldenen Raum, umgeben von den Klängen des Windes, des Sandes, der Gräser und der Bienen. Die weißen Möwen und das Brausen der Wellen unterbrechen gelegentlich ihren Schlaf, wecken sie aber auch wieder zu neuem Bewusstsein für die Schönheit ihrer Umgebung. Der Blick in das tiefe Himmelsblau und das Vorbeiziehen eines Silberwölkchens runden das Bild einer perfekten, harmonischen Naturidylle ab.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
bei Himbeersträuchern
Hyperbel
Wie Götter ruhten wir im goldnen Raum
Kontrast
Im goldnen Licht das ferne Leid entschlief
Metapher
Wir lagen tief in einer Dünenschlucht
Personifikation
Des Winds Oboen, und des Sandes Klingen
Symbolik
Des Mittagsstunden langsam ziehnde Flucht
Synästhesie
Des Winds Oboen, und des Sandes Klingen
Vergleich
Dianas Bogen war es gleich zu schauen