Drohend umstarren die spiegelnde Fluth apenninische Felsen,
Und acherontisches Grau’n schattet ins Wasser herab.
Doch Avezzano, es lockt mich zum Strand, ich schweb‘ auf dem Lethe,
Und das lieblichste Kind ladet zum Mahle mich ein.
Fucinersee
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Fucinersee“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschreibt eine Szenerie am Fucinersee, die von Gegensätzen geprägt ist. Die ersten beiden Verse zeichnen ein düsteres Bild der Natur, indem sie die „drohend“ umstarrenden Felsen und das „acherontische Grau’n“ hervorheben, das sich in der spiegelnden Flut spiegelt. Der Begriff „acherontisch“ verweist auf den Fluss Acheron in der griechischen Unterwelt, was die bedrohliche und fast schon unheimliche Atmosphäre des Sees verstärkt. Die Szenerie ist von einer tiefen Melancholie geprägt.
Im Gegensatz dazu offenbart die zweite Strophe eine Wendung hin zu einem hoffnungsvollen und einladenden Motiv. Der Sprecher wird von Avezzano, einer Stadt am See, zum Strand gelockt. Er schwebt metaphorisch auf dem Lethe, dem Fluss der Vergessenheit in der griechischen Mythologie. Dies deutet darauf hin, dass er sich von den düsteren Eindrücken des Sees befreit und sich einer neuen Erfahrung zuwendet. Der letzte Vers bringt eine fast schon idyllische Szene zum Vorschein: „Und das lieblichste Kind ladet zum Mahle mich ein.“ Diese Zeile deutet auf eine liebevolle und einladende Begegnung hin.
Die Kontraste sind offensichtlich: die beängstigende Natur des Sees im ersten Teil steht der einladenden und lieblichen Umgebung im zweiten Teil gegenüber. Waiblinger spielt mit dem Kontrast zwischen dem Tod (symbolisiert durch die Unterweltmotive) und dem Leben (symbolisiert durch das Kind und das Mahl). Dies könnte als eine Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Sehnsucht nach Freude und Liebe interpretiert werden, selbst inmitten einer düsteren Umgebung. Die Metaphorik des Lethe kann als Wunsch nach dem Vergessen der düsteren Aspekte des Lebens und der Hinwendung zu neuen Anfängen gesehen werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Gedicht eine komplexe emotionale Landschaft darstellt, die von Furcht und Hoffnung, Dunkelheit und Licht, Tod und Leben geprägt ist. Die beschriebene Landschaft des Fucinersees dient als Hintergrund für eine innere Auseinandersetzung des Sprechers mit seinen Gefühlen und Sehnsüchten, wobei die einladende Geste des Kindes am Ende einen Hoffnungsschimmer inmitten der melancholischen Grundstimmung bietet. Waiblingers Werk ist ein feines Spiel mit Gegensätzen, um die Tiefen menschlicher Emotionen darzustellen.
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