Fuchs und Bär
1815Kam einst ein Fuchs vom Dorfe her, früh in der Morgenstunde, und trug ein Huhn im Munde; und es begegnet’ ihm ein Bär. “Ah! Guten Morgen, gnädiger Herr! Ich bringe hier ein Huhn für Sie; Ihr Gnaden promenieren ziemlich früh, wo geht die Reise hin?” “Was heißest du mich gnädig, Vieh! Wer sagt dir, daß ich’s bin?” “Sah Dero Zahn, wenn ich es sagen darf, und Dero Zahn ist lang und scharf.”
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Fuchs und Bär" von Matthias Claudius erzählt eine humorvolle Begegnung zwischen einem Fuchs und einem Bären. Der Fuchs, der ein Huhn im Maul trägt, trifft auf den Bären und versucht, ihn mit Höflichkeit und Schmeichelei zu beeindrucken. Der Fuchs nennt den Bären "gnädiger Herr" und bietet ihm das Huhn an, um seine Gunst zu erlangen. Der Bär reagiert jedoch mit Verwirrung und Ärger auf die Anrede des Fuchses. Er fragt, wer ihm den Titel "gnädig" gegeben hat und weist darauf hin, dass er kein Mensch, sondern ein Tier ist. Der Fuchs versucht, seine Aussage zu rechtfertigen, indem er auf die Zähne des Bären verweist und behauptet, dass diese lang und scharf seien. Das Gedicht endet mit einer humorvollen Pointe, bei der der Fuchs seine Schmeichelei mit einer vermeintlichen Wahrheit über die Zähne des Bären untermauert. Die Begegnung zwischen Fuchs und Bär verdeutlicht die menschliche Neigung zur Anbiederung und den Versuch, durch Schmeicheleien Vorteile zu erlangen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- früh in der Morgenstunde
- Hyperbel
- und Dero Zahn ist lang und scharf
- Ironie
- Was heißest du mich gnädig, Vieh!
- Metapher
- Ich bringe hier ein Huhn für Sie
- Personifikation
- Kam einst ein Fuchs vom Dorfe her