Frühlingstraum
1827Ich träumte von bunten Blumen, So wie sie wohl blühen im Mai; Ich träumte von grünen Wiesen, Von lustigem Vogelgeschrei.
Und als die Hähne krähten, Da ward mein Auge wach; Da war es kalt und finster, Es schrien die Raben vom Dach.
Doch an den Fensterscheiben, Wer malte die Blätter da? Ihr lacht wohl über den Träumer, Der Blumen im Winter sah?
Ich träumte von Lieb′ und Liebe, Von einer schönen Maid, Von Herzen und von Küssen, Von Wonne und Seligkeit.
Und als die Hähne kräten, Da ward mein Herze wach; Nun sitz ich hier alleine Und denke dem Traume nach.
Die Augen schließ′ ich wieder, Noch schlägt das Herz so warm. Wann grünt ihr Blätter am Fenster? Wann halt′ ich mein Liebchen im Arm?
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Interpretation
Das Gedicht "Frühlingstraum" von Wilhelm Müller thematisiert den Kontrast zwischen der Wärme und Farbenpracht der Träume und der kalten Realität des Winters. Der Träumende erlebt in seinem Schlaf eine idyllische Frühlingslandschaft mit bunten Blumen, grünen Wiesen und fröhlichem Vogelgesang. Doch das Krähen der Hähne reißt ihn aus seinem Traum und lässt ihn in der kalten, düsteren Wirklichkeit erwachen. Die Erwähnung der "Raben vom Dach" unterstreicht die Tristesse und Einsamkeit der wirklichen Welt im Gegensatz zu den lebhaften Träumen. Die Frage nach den gemalten Blättern an den Fensterscheiben deutet auf den Frost hin, der die Scheiben bedeckt und den Träumenden spöttisch an die Unmöglichkeit von Blumen im Winter erinnert. Dies verdeutlicht den Konflikt zwischen Sehnsucht und Realität. Im zweiten Teil des Gedichts träumt der Träumende von Liebe und Zärtlichkeit, von einer schönen Maid und der damit verbundenen Wonne und Seligkeit. Auch dieser Traum wird durch das Krähen der Hähne unterbrochen, und der Träumende bleibt allein zurück, um über den verlorenen Traum nachzusinnen. Die abschließenden Fragen nach dem Grün der Blätter am Fenster und dem Liebchen im Arm drücken die tiefe Sehnsucht nach Frühling, Liebe und Wärme aus, die in der kalten Realität unerfüllt bleibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die Augen schließ′ ich wieder, Noch schlägt das Herz so warm
- Frage
- Wer malte die Blätter da?
- Ironie
- Ihr lacht wohl über den Träumer, Der Blumen im Winter sah?
- Kontrast
- Und als die Hähne krähten, Da ward mein Herze wach; Nun sitz ich hier alleine Und denke dem Traume nach.
- Metapher
- Ich träumte von Lieb′ und Liebe, Von einer schönen Maid
- Personifikation
- Von lustigem Vogelgeschrei
- Rhetorische Frage
- Wann grünt ihr Blätter am Fenster? Wann halt′ ich mein Liebchen im Arm?