Frühlingstag

Adolf Friedrich Graf von Schack

1897

Als winterlich umnachtet, Erstarrt die Erde lag, Wie hab′ ich nicht geschmachtet Nach dir, o Frühlingstag!

Ich dachte: Wenn im linden Lenzhauch der Himmel blaut, Dann wird mein Kummer schwinden, So wie die Flocke taut.

Nun bist du da, Erflehter, Mit Duft und Farb′ und Klang! Hoch aus dem blauen Aether Ertönt der Lerche Sang!

Es lächeln deine Kinder, Die Blüten, froh erwacht; Doch trauernd, wie ein Blinder, Steh′ ich vor all der Pracht.

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Illustration zu Frühlingstag

Interpretation

Das Gedicht "Frühlingstag" von Adolf Friedrich Graf von Schack thematisiert die Sehnsucht nach dem Frühling und die Enttäuschung, die der lyrischen Ich-Erzähler empfindet, als der Frühling schließlich eintrifft. Das Gedicht ist in vier Strophen mit jeweils vier Versen gegliedert und folgt einem regelmäßigen Reimschema (AABB). Im ersten und zweiten Strophenabschnitt beschreibt der Erzähler die lange Wartezeit auf den Frühling und seine Hoffnung, dass mit dem Einzug des Frühlings auch sein Kummer und seine Trauer schwinden würden. Er vergleicht seinen emotionalen Zustand mit der erstarrten Erde im Winter und wünscht sich, dass der Frühling seine Sorgen zum Schmelzen bringt, wie die Sonne die Schneeflocken zum Schmelzen bringt. Die dritte und vierte Strophe zeigen den Kontrast zwischen der Schönheit und Freude des Frühlings und der Traurigkeit des Erzählers. Obwohl der Frühling mit all seinen sinnlichen Reizen eingetroffen ist – Duft, Farben, Klänge und die Lerche, die hoch aus dem blauen Himmel singt – kann der Erzähler die Pracht nicht genießen. Er steht "trauernd, wie ein Blinder" vor den lächelnden Kindern des Frühlings, den erwachten Blüten, und kann ihre Schönheit nicht wahrnehmen oder sich an ihnen erfreuen. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass äußere Umstände, wie der Einzug des Frühlings, nicht immer in der Lage sind, innere emotionale Zustände zu verändern. Trotz der ersehnten Veränderung in der Natur bleibt der Erzähler in seiner Trauer gefangen und kann die Schönheit um sich herum nicht wahrnehmen. Dies könnte als Metapher für die menschliche Erfahrung von Depression oder emotionaler Taubheit verstanden werden, bei der äußere Reize nicht ausreichen, um die innere Leere oder Traurigkeit zu überwinden.

Schlüsselwörter

winterlich umnachtet erstarrt erde lag hab geschmachtet frühlingstag

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Stilmittel

Metapher
Steh′ ich vor all der Pracht
Personifikation
Es lächeln deine Kinder, Die Blüten, froh erwacht
Vergleich
Doch trauernd, wie ein Blinder