Frühlingstänzerin
1886In deinen Blicken wiegt sich der Frühling. Rosengeflecht und ein Apfelzweig Schaukeln ihn duftend einher.
Auf deiner Lippen Granat- und Marmorsitz Streiten zehntausend Lerchen in süßem Tumult Wähnend sie säßen im Morgenrot.
Wo deine lieblich errötenden Füße schreiten, Schlägt aus dem Boden ein holder Schwall von Musik Und erstürmt sich den Himmel.
Wippend dem zierlichen Schmetterling gleich Schreitest du tanzerhobenen Arms Wie über schwankendes Seil.
Wenn deine tastenden Brüste den Atem der Gärten verspüren, Heben und senken sie sich, zugespitzt, In verworrnen Gedanken.
Zierlich ist deine Seele, dem Rotkehlchen gleich, Und so ängstlich, daß sie bei plötzlichem Wort Flatternd im Käfig sich stößt.
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Interpretation
Das Gedicht "Frühlingstänzerin" von Hugo Ball ist eine sinnliche und metaphorische Darstellung einer tanzenden Frau, die den Frühling verkörpert. Der erste Vers etabliert die Verbindung zwischen den Augen der Tänzerin und dem Frühling, der sich darin wiegt. Die folgenden Zeilen vergleichen ihren Blick mit einem Rosengeflecht und einem Apfelzweig, die ihn duftend schaukeln. Dies schafft eine visuelle und olfaktorische Assoziation mit der Schönheit und Fruchtbarkeit des Frühlings. Der zweite Vers konzentriert sich auf die Lippen der Tänzerin, die als Granat- und Marmorsitz beschrieben werden. Hier tobt ein süßer Tumult von zehntausend Lerchen, die glauben, im Morgenrot zu sitzen. Dies symbolisiert die Lebendigkeit und das Erwachen des Lebens im Frühling, das durch die Lippen der Tänzerin zum Ausdruck kommt. Der dritte Vers beschreibt die Füße der Tänzerin, die einen "holden Schwall von Musik" aus dem Boden schlagen, der sich zum Himmel emporschwängt. Dies verdeutlicht die harmonische Verbindung zwischen der Tänzerin, der Natur und der Musik, die den Frühling begleitet. Im vierten Vers wird die Tänzerin mit einem zierlichen Schmetterling verglichen, der tänzerisch erhobenen Arms über ein schwankendes Seil schreitet. Dies betont ihre Anmut und Leichtigkeit sowie die prekäre Balance, die sie hält. Der fünfte Vers beschreibt die Brüste der Tänzerin, die den Atem der Gärten erspüren und sich in verworrenen Gedanken heben und senken. Dies symbolisiert die Fruchtbarkeit und das Erwachen der Natur im Frühling, das sich in der sinnlichen Erfahrung der Tänzerin widerspiegelt. Im letzten Vers wird die Seele der Tänzerin mit einem Rotkehlchen verglichen, das ängstlich und zierlich ist und bei plötzlichem Wort im Käfig flatternd gegen die Wände stößt. Dies vermittelt ein Gefühl von Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit, das im Kontrast zur sinnlichen und lebendigen Darstellung der Tänzerin im Rest des Gedichts steht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Rosengeflecht und ein Apfelzweig
- Hyperbel
- Streiten zehntausend Lerchen in süßem Tumult
- Metapher
- Zierlich ist deine Seele, dem Rotkehlchen gleich
- Personifikation
- Und so ängstlich, daß sie bei plötzlichem Wort Flatternd im Käfig sich stößt.
- Vergleich
- Wippend dem zierlichen Schmetterling gleich