Frühlingsorakel

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Du prophet′scher Vogel du, Blütensänger, o Coucou! Bitten eines jungen Paares In der schönsten Zeit des Jahres Höre, liebster Vogel du! Kann es hoffen, ruf ihm zu: Dein Coucou, dein Coucou, Immer mehr Coucou, Coucou.

Hörst du! ein verliebtes Paar Sehnt sich herzlich zum Altar; Und es ist bei seiner Jugend Voller Treue, voller Tugend. Ist die Stunde denn noch nicht voll? Sag′, wie lange es warten sol!? Horch′! Coucou! Horch′! Coucou! Immer stille! Nichts hinzu!

Ist es doch nicht unsre Schuld! Nur zwei Jahre noch Geduld! Aber, wenn wir uns genommen, Werden Pa-pa-papas kommen? Wisse, daß du uns erfreust, Wenn du viele prophezeist. Eins! Coucou! Zwei! Coucou! Immer weiter Coucou, Coucou, Cou.

Haben wir wohl recht gezählt, Wenig am Halbdutzend fehlt. Wenn wir gute Worte geben, Sagst du wohl, wie lang wir leben? Freilich, wir gestehen dir′s, Gern zum längsten trieben wir′s. Cou Coucou, Cou Coucou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou.

Leben ist ein großes Fest, Wenn sich′s nicht berechnen läßt. Sind wir nun zusammen blieben, Bleibt denn auch das treue Lieben? Könnte das zu Ende gehn, Wär doch alles nicht mehr schön. Cou Coucou, Cou Coucou,: Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou, Cou!

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Illustration zu Frühlingsorakel

Interpretation

Das Gedicht "Frühlingsorakel" von Johann Wolfgang von Goethe ist eine spielerische und humorvolle Auseinandersetzung mit den Themen Liebe, Ehe und Zukunft. Der Dichter verwendet den Ruf des Kuckucks als Orakel, um die Fragen eines jungen Paares zu beantworten. Die Wiederholung des Kuckucksrufs "Coucou" verleiht dem Gedicht einen rhythmischen und musikalischen Charakter. Im ersten Teil des Gedichts bittet das junge Paar den Kuckuck um eine Antwort auf die Frage, ob es hoffen kann, zusammenzukommen. Der Kuckuck antwortet mit einem kontinuierlichen "Coucou", was die Hoffnung des Paares bestätigt. Im zweiten Teil erkundigt sich das Paar nach der Dauer der Wartezeit, bis sie heiraten können. Der Kuckuck antwortet mit einem einzigen "Coucou", was darauf hindeutet, dass die Wartezeit noch andauert. Im dritten Teil fragt das Paar nach der Anzahl der Kinder, die sie haben werden. Der Kuckuck zählt mit "Eins! Coucou! Zwei! Coucou!" bis zu einer unbestimmten Anzahl, was die Hoffnung des Paares auf eine große Familie ausdrückt. Im vierten Teil erkundigt sich das Paar nach ihrer Lebensdauer. Der Kuckuck antwortet mit einer endlosen Reihe von "Coucou", was darauf hindeutet, dass das Leben unvorhersehbar und nicht berechenbar ist. Das Gedicht endet mit der Frage, ob die Liebe des Paares auch nach der Heirat bestehen bleibt. Der Kuckuck antwortet erneut mit einem kontinuierlichen "Coucou", was die Beständigkeit der Liebe symbolisiert. Insgesamt ist das Gedicht eine charmante und humorvolle Darstellung der Hoffnungen und Ängste eines jungen Paares, die sich auf den Kuckuck als Orakel verlassen, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.

Schlüsselwörter

cou coucou vogel mehr voller treue horch zwei

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Stilmittel

Alliteration
Dein Coucou, dein Coucou, Immer mehr Coucou, Coucou.
Anapher
Du prophet′scher Vogel du, Blütensänger, o Coucou! Bitten eines jungen Paares In der schönsten Zeit des Jahres Höre, liebster Vogel du! Kann es hoffen, ruf ihm zu: Dein Coucou, dein Coucou, Immer mehr Coucou, Coucou.
Epipher
Horch′! Coucou! Horch′! Coucou! Immer stille! Nichts hinzu!
Hyperbel
Coucou, Coucou, Cou.
Metapher
Du prophet′scher Vogel du, Blütensänger, o Coucou!
Personifikation
Du prophet′scher Vogel du, Blütensänger, o Coucou! Bitten eines jungen Paares In der schönsten Zeit des Jahres Höre, liebster Vogel du! Kann es hoffen, ruf ihm zu: Dein Coucou, dein Coucou, Immer mehr Coucou, Coucou.
Reimschema
AABB
Symbolik
Coucou
Wiederholung
Coucou, Coucou, Cou.
Zerstreutheit
Coucou, Coucou, Cou.