Frühlingsmorgen

Hermann Lingg

1905

Tief im Winter hör′ ich′s gerne, Eh′ die Sonn′ hervorgewallt, Wie durchs Dunkel aus der Ferne Eine Morgenglocke schallt.

Im August, wenn Donner rollen, Freut mich′s wie die Windfahn′ ächzt, Und im Herbst, wenn auf den Schollen Abends spät ein Rabe krächzt.

Doch was kann mein Herz erweitern Wie der erste Finkenschlag, Wie der Lerche Lied am heitern, Wundervollen Frühlingstag?

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Interpretation

Das Gedicht "Frühlingsmorgen" von Hermann Lingg beschreibt die verschiedenen Klänge, die der Sprecher in unterschiedlichen Jahreszeiten hört und wie sie ihn jeweils beeinflussen. Im Winter hört er gerne eine ferne Morgenglocke, im August freut er sich über das Ächzen der Windfahnen bei rollendem Donner und im Herbst beobachtet er abends einen Raben, der auf den Schollen krächzt. Diese Klänge sind für den Sprecher Ausdruck der jeweiligen Jahreszeit und wecken bestimmte Gefühle in ihm. Im zweiten Teil des Gedichts stellt der Sprecher jedoch klar, dass keine dieser Klänge sein Herz so sehr erweitern kann wie die Klänge des Frühlings. Der erste Schlag des Finken und das Lied der Lerche an einem heiteren, wundervollen Frühlingstag berühren ihn am tiefsten. Diese Klänge symbolisieren für ihn die Erneuerung und das Erwachen der Natur nach dem Winter und wecken in ihm ein Gefühl von Freude und Hoffnung. Das Gedicht vermittelt somit die Idee, dass der Frühling als Jahreszeit der Wiedergeburt und des Neubeginns eine besondere Bedeutung für den Sprecher hat. Die Klänge des Frühlings, insbesondere die der Vögel, stehen für die Schönheit und die Wunder der Natur und berühren ihn auf eine Weise, die die Klänge der anderen Jahreszeiten nicht erreichen können. Das Gedicht ist somit eine Ode an die Schönheit und die Erneuerungskraft des Frühlings.

Schlüsselwörter

tief winter hör gerne sonn hervorgewallt durchs dunkel

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wie durchs Dunkel aus der Ferne
Hyperbel
Wundervollen Frühlingstag
Metapher
wie der Lerche Lied am heitern
Personifikation
Eh′ die Sonn′ hervorgewallt
Vergleich
Freut mich′s wie die Windfahn′ ächzt