Frühlingslied
1877Es kam der Frühling mit Herrschermacht, Da wollt′ ich ein Lied ihm singen; Er strahlte so hold in lieblichster Pracht - Wie sollt′ es da nicht gelingen?
Ich sah mir die Blüthenbäume an, Dran alle Knospen gesprungen, Sie waren gleich Bräuten angethan, Von Schleier und Myrth′ umschlungen.
Es nickten Blumen an jedem Steg, Als ob sie selber sich streuten Den schlanken Bräuten auf ihren Weg, Beim Maienglockenläuten.
Die grünen Blätter im Buchenhain, Umhaucht von weißem Gefieder, Sie flüstern in alle Welt hinein Die süßesten, wonnigsten Lieder.
Es lauschet den Tönen die Lerch′ im Feld, Es lauschen die Nachtigallen, Aus Blüthensträuchern, vom Himmelszelt Klingt wieder das fröhliche Schallen.
O, Frühling! Frühling! so hold und licht! Fast will mir das Herz zerspringen! Du - selbst der Schöpfung höchstes Gedicht, Wer könnte dich würdig besingen?
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Interpretation
Das Gedicht "Frühlingslied" von Luise Büchner ist eine Ode an den Frühling, die dessen Schönheit und Pracht in lyrischer Form preist. Die Autorin beschreibt den Frühling als eine mächtige und herrschende Kraft, die sie inspiriert, ein Lied zu singen. Die ersten Strophen sind voller blumiger und farbenfroher Bilder, die den Frühling als eine Zeit der Blüte und des Wachstums darstellen. In den folgenden Strophen vergleicht Büchner die blühenden Bäume mit Bräuten, die in Schleier und Myrte gehüllt sind. Die Blumen werden als Helferinnen dargestellt, die den Bräuten auf ihrem Weg beistehen. Die grünen Blätter im Buchenhain werden als flüsternde Boten beschrieben, die die süßesten und wonnigsten Lieder in die Welt tragen. Die Natur wird als ein Chor von Tönen und Klängen dargestellt, die vom Himmel widerhallen. In der letzten Strophe erreicht das Gedicht seinen Höhepunkt. Die Autorin preist den Frühling als das höchste Gedicht der Schöpfung und fragt, wer ihn würdig besingen könnte. Das Gedicht endet mit einer fast ekstatischen Verehrung des Frühlings, die die Grenzen der menschlichen Sprache zu sprengen scheint.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Du - selbst der Schöpfung höchstes Gedicht
- Personifikation
- Es lauschen die Nachtigallen
- Vergleich
- Sie waren gleich Bräuten angethan