Frühlingsgestirn

Hermann Lingg

1820

Wie flammst du heut so mächtig wieder, Als zöge dich zur Erde nieder Die Sehnsucht einer ew′gen Macht. So herrlich sehn wir dich entbrennen, Daß wir dich Stern der Liebe nennen, Du hellster in der Frühlingsnacht!

Bist du des Himmels gold′ne Zähre - Die über uns und unsere Sphäre Ein Engel der Erbarmung weint? Sind wohl auf dir die Friedensauen, Wo Seelen einst sich wiederschauen Nach Leid′ und Todesschmerz vereint?

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Illustration zu Frühlingsgestirn

Interpretation

Das Gedicht "Frühlingsgestirn" von Hermann Lingg beschreibt die eindrucksvolle Erscheinung eines Himmelskörpers, vermutlich des Planeten Venus, der im Frühling besonders hell und mächtig am Nachthimmel leuchtet. Der Autor personifiziert den Stern und deutet seine Strahlkraft als Ausdruck einer "ewigen Macht" und einer tiefen Sehnsucht, die ihn zur Erde zieht. Der Stern wird als "Stern der Liebe" bezeichnet, was seine Bedeutung als Symbol für Schönheit, Hoffnung und Erneuerung im Frühling unterstreicht. In der zweiten Strophe stellt sich der Autor die Frage, ob der Stern eine "goldene Zähre des Himmels" sein könnte, die von einem Engel der Barmherzigkeit geweint wurde. Diese Metapher verleiht dem Stern eine emotionale und spirituelle Dimension, indem er als Träne des Himmels interpretiert wird, die über die Erde und die menschliche Sphäre vergossen wurde. Die Frage nach den "Friedensauen" auf dem Stern deutet auf die Hoffnung hin, dass Seelen nach Leid und Tod wieder vereint werden können, was eine tröstliche und erlösende Botschaft vermittelt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tief empfundene Bewunderung für die Schönheit und die symbolische Bedeutung des Frühlingsgestirns. Es verbindet die natürliche Erscheinung mit spirituellen und emotionalen Aspekten, wie Liebe, Barmherzigkeit und Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits. Der Autor nutzt eindrucksvolle Bilder und Metaphern, um die Faszination und die tiefere Bedeutung des Sternes für die menschliche Seele auszudrücken.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
Sind wohl auf dir die Friedensauen, Wo Seelen einst sich wiederschauen Nach Leid′ und Todesschmerz vereint?
Metapher
Du hellster in der Frühlingsnacht!
Personifikation
Wie flammst du heut so mächtig wieder, Als zöge dich zur Erde nieder Die Sehnsucht einer ew′gen Macht.
Rhetorische Frage
Bist du des Himmels gold′ne Zähre - Die über uns und unsere Sphäre Ein Engel der Erbarmung weint?