Frühlingserwachen

Erich Kurt Mühsam

1914

Wieder hat sich die Natur verjüngt, wieder sich mit frischem Stoff gedüngt, und dem Moder wie den jungen Keimen hat die Kunst zu malen und zu reimen. Die Gebeine harren der Bestattung, währenddem die Früchte der Begattung fröhlich ins Bereich des Lebens ziehn - insoferne sie soweit gediehn. Viech- und Menschern heben sich die Büsen; in den Bäumen quillt′s und den Gemüsen. Tief im Kern der Erde hat′s gekracht: Ja, der Früh-, der Frühling ist erwacht.

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Interpretation

Das Gedicht "Frühlingserwachen" von Erich Kurt Mühsam beschreibt die zyklische Erneuerung der Natur im Frühling. Es beginnt mit der Betonung, dass die Natur sich verjüngt hat und sich mit frischem Stoff gedüngt hat. Die Kunst des Malens und Reimens wird als Ausdruck dieser Erneuerung dargestellt. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Kontrast zwischen Tod und Leben verdeutlicht. Während die Gebeine auf ihre Bestattung warten, ziehen die Früchte der Begattung fröhlich ins Leben. Es wird betont, dass nicht alle Früchte bis zur Reife gelangen, sondern nur diejenigen, die weit genug gediehen sind. Im letzten Teil des Gedichts wird die Erweckung des Frühlings beschrieben. Tiere und Menschen heben ihre Stimmen, während in den Bäumen und Gemüsen etwas quillt. Es wird ein tiefes Gekrach im Kern der Erde erwähnt, das den Frühling erwachen lässt.

Schlüsselwörter

natur verjüngt frischem stoff gedüngt moder jungen keimen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
[Viech- und Menschern heben sich die Büsen]
Bildsprache
[in den Bäumen quillt's und den Gemüsen Tief im Kern der Erde hat's gekracht]
Metapher
[Die Natur hat sich verjüngt Die Gebeine harren der Bestattung die Früchte der Begattung]
Parallelismus
[wieder sich mit frischem Stoff gedüngt wieder hat sich die Natur verjüngt]
Personifikation
[der Frühling ist erwacht]