Frühlingsahnung

Betty Paoli

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Wenn des Winters starrer Traum Berg und Flur mit Schnee bedecket, Jeder dürre Zweig am Baum Jammernd sich gen Himmel strecket:

Kannst du da begreifen, sag′ Wie nach wen′gen Mondesneigen Der jetzt frosterstarrte Hag Einen Blüthenflor wird zeigen?

Doch du weißt, der lichte Trost Naht auf unsichtbaren Wegen Und im rauhen Winterfrost Lächelst du dem Lenz entgegen.

Und so kann, so kann auch ich Nicht begreifen und nicht fassen, Wie in meiner Seele sich Noch ein Glück wird ziehen lassen.

Doch ich weiß: zur Wonne geht, Wer da wallt auf Dornenbahnen, Und durch meinen Winter weht Ein tief selig Frühlingsahnen!

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Illustration zu Frühlingsahnung

Interpretation

Das Gedicht "Frühlingsahnung" von Betty Paoli handelt von der Hoffnung und dem Trost, die auch in den dunkelsten und kältesten Zeiten des Lebens vorhanden sind. Die Dichterin vergleicht die Jahreszeiten mit den Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins und findet in der Ahnung des Frühlings einen tiefen Trost für ihre eigene Seele. In den ersten beiden Strophen beschreibt die Dichterin die Tristesse und Kälte des Winters, in der alles erstarrt und leblos erscheint. Doch selbst in dieser scheinbar ausweglosen Situation ahnt sie bereits die kommende Verwandlung und das Erwachen der Natur im Frühling. Diese Ahnung gibt ihr Hoffnung und Zuversicht, dass auch aus der dunkelsten Zeit ein Neubeginn möglich ist. In der dritten und vierten Strophe wendet die Dichterin diese Erkenntnis auf ihr eigenes Leben an. Sie gesteht, dass auch sie die Wendung ihres Schicksals nicht begreifen oder fassen kann, aber sie weiß, dass Glück und Freude möglich sind, auch wenn der Weg dorthin voller Dornen und Schwierigkeiten ist. Die "Frühlingsahnung" in ihrer Seele gibt ihr die Kraft, durch den "Winter" ihres Lebens zu gehen und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Kontrast
Wie nach wen′gen Mondesneigen Der jetzt frosterstarrte Hag Einen Blüthenflor wird zeigen?
Metapher
Wer da wallt auf Dornenbahnen
Parallelismus
So kann, so kann auch ich Nicht begreifen und nicht fassen
Personifikation
Und durch meinen Winter weht Ein tief selig Frühlingsahnen