Frühlingsahnen
1867Wohlig merken unsre Sinne Nun den Frühling allgemach, Denn es trauft aus jeder Rinne, Und es tropft von jedem Dach.
Leise regt sich im Theater Dieser Welt ein Liebeston; Nächtens schreien viele Kater, Und der Hase rammelt schon.
So auch uns ergreift die Glieder Wundersame Lebenskraft; Selbst solide Seifensieder Fühlen ihren Knospensaft.
Treibet das Geschäft der Paarung! Lasset der Natur den Lauf! Denn ihr wisset aus Erfahrung, Einmal hört es leider auf.
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Interpretation
Das Gedicht "Frühlingsahnen" von Ludwig Thoma beschreibt die allmähliche Ankunft des Frühlings und die damit einhergehenden Veränderungen in der Natur und im menschlichen Empfinden. Die ersten beiden Strophen schildern die sinnlichen Wahrnehmungen des nahenden Frühlings, wie das Tropfen des Schnees von den Dächern und das Auftreten von Paarungsrufen bei Tieren. Thoma verwendet dabei eine bildhafte Sprache, die den Leser die Frühlingsstimmung nachempfinden lässt. In der dritten Strophe überträgt Thoma die Frühlingsgefühle auf die Menschen. Er beschreibt, wie auch sie von einer "wundersamen Lebenskraft" ergriffen werden und sich nach Paarung sehnen. Dabei bedient er sich einer humorvollen Metapher, indem er die Menschen mit "seifensiedenden" Knospen vergleicht, die ihren Saft spüren. Dies verdeutlicht die universelle Natur der Frühlingsgefühle, die alle Geschöpfe gleichermaßen erfassen. Die letzte Strophe des Gedichts ruft dazu auf, den natürlichen Trieben nachzugeben und die Paarung zu betreiben. Thoma betont die Vergänglichkeit dieser Zeit und ermahnt den Leser, die Gelegenheit zu nutzen, solange sie besteht. Das Gedicht endet mit einer melancholischen Note, die darauf hinweist, dass diese Phase des Lebens und der Liebe irgendwann vorübergehen wird.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Alliteration
- Denn es trauft aus jeder Rinne
- Metapher
- Lasset der Natur den Lauf
- Personifikation
- Wohlig merken unsre Sinne