Frühling im Alter

Ernst Moritz Arndt

1841

Singen die Vöglein im grünen Wald, Klingen die Bächlein bergunter, Lockt es den Alten mit Lustgewalt, Klopfet das Herz ihm so munter: Denket der Wonnen verschienener Lenze, Denket der Kränze und denket der Tänze, Fallen auch Tränen herunter.

Singet und klinget! das Heute ist mein, Heut will ich singen und klingen Lustig mit spielenden Kindern feldein, Fröhlich mit fröhlichen Dingen, Will mir bekränzen die Locken, die greisen: Bald muß ich hinnen und wandern und reisen, Wo mir die Vögel nicht singen.

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Illustration zu Frühling im Alter

Interpretation

Das Gedicht "Frühling im Alter" von Ernst Moritz Arndt handelt von der Sehnsucht nach der verlorenen Jugend und der Freude am gegenwärtigen Moment. Es beschreibt, wie der Frühling den alten Menschen mit seiner Schönheit und Lebendigkeit lockt und Erinnerungen an vergangene Zeiten wachruft. Im ersten Teil des Gedichts wird die Natur im Frühling als verlockend und bezaubernd dargestellt. Die Vögel singen im grünen Wald und die Bäche rauschen bergab. Diese Naturschauspiele wecken bei dem alten Menschen die Erinnerung an vergangene Freuden wie Tänze und Kränze. Doch diese Erinnerungen lassen ihn auch wehmütig werden, wie der Hinweis auf die Tränen am Ende des ersten Abschnitts zeigt. Im zweiten Teil des Gedichts entscheidet sich der alte Mensch, die Freuden des gegenwärtigen Moments zu genießen. Er singt und klingt mit den spielenden Kindern auf den Feldern und freut sich an fröhlichen Dingen. Er will sich sogar einen Kranz für seine grauen Haare flechten. Doch er ist sich bewusst, dass er bald sterben und an einen Ort reisen wird, wo die Vögel nicht mehr singen. Dies deutet auf den bevorstehenden Tod hin, der das Ende des Lebens und der Freude bedeutet.

Schlüsselwörter

singen denket klingen will vöglein grünen wald bächlein

Wortwolke

Wortwolke zu Frühling im Alter

Stilmittel

Alliteration
Singen die Vöglein im grünen Wald, Klingen die Bächlein bergunter
Anapher
Denket der Wonnen verschienener Lenze, Denket der Kränze und denket der Tänze
Hyperbel
Lustgewalt
Kontrast
Singet und klinget! das Heute ist mein, Bald muß ich hinnen und wandern und reisen, Wo mir die Vögel nicht singen
Personifikation
Klopfet das Herz ihm so munter