Frühling

Else Lasker-Schüler

unbekannt

Wir wollen wie der Mondenschein die stille Frühlingsnacht durchwachen, wir wollen wie zwei Kinder sein. Du hüllst mich in dein Leben ein und lehrst mich so wie du zu lachen.

Ich sehnte mich nach Mutterlieb und Vaterwort und Frühlingsspielen, den Fluch, der mich durchs Leben trieb, begann ich, da er bei mir blieb, wie einen treuen Freund zu lieben.

Nun blühn die Bäume seidenfein und Liebe duftet von den Zweigen. Du musst mir Mutter und Vater sein und Frühlingsspiel und Schätzelein und ganz mein eigen.

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Illustration zu Frühling

Interpretation

Das Gedicht "Frühling" von Else Lasker-Schüler thematisiert die Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und Liebe. Die Sprecherin sehnt sich danach, mit ihrem Gegenüber die Frühlingsnacht wie der Mondenschein zu durchwachen und sich wie Kinder zu fühlen. Sie möchte in das Leben des anderen eingehüllt werden und von ihm das Lachen lernen. In der zweiten Strophe wird deutlich, dass die Sprecherin unter einem Fluch leidet, der sie durchs Leben treibt. Sie sehnt sich nach mütterlicher Liebe, väterlichen Worten und Frühlingsspielen. Doch anstatt sich von dem Fluch zu befreien, beginnt sie, ihn wie einen treuen Freund zu lieben. Dies deutet auf eine ambivalente Beziehung zu ihrem Schicksal hin. Die letzte Strophe beschreibt den Frühling als eine Zeit der Blüte und des Duftes der Liebe. Die Sprecherin wendet sich direkt an ihren Geliebten und bittet ihn, ihr Mutter und Vater, Frühlingsspiel und Schätzelein zu sein. Sie möchte, dass er ganz ihr eigen ist und ihr die Geborgenheit und Liebe gibt, die sie sich so sehr wünscht. Das Gedicht endet mit einem starken Ausdruck der Sehnsucht nach einer tiefen, alles umfassenden Liebe.

Schlüsselwörter

wollen leben mondenschein stille frühlingsnacht durchwachen zwei kinder

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
ganz mein eigen
Metapher
den Fluch...wie einen treuen Freund zu lieben
Personifikation
Liebe duftet von den Zweigen
Symbolik
stille Frühlingsnacht
Vergleich
wie zwei Kinder sein