Frühling

Heinrich Seidel

1906

Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«Was knospet, was keimet, was duftet so lind?Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst′ ich genug!

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Illustration zu Frühling

Interpretation

Das Gedicht "Frühling" von Heinrich Seidel ist eine lebendige und fröhliche Hymne auf den Einzug des Frühlings. Es beginnt mit einer Reihe von Fragen, die die Erneuerung und das Erwachen der Natur beschreiben. Das Rauschen, Rieseln und Fließen, das Blinken und Schimmern in der Sonne, all das wird als Zeichen des erwachenden Frühlings interpretiert. Der Bach antwortet auf die Fragen und verkündet, dass der Frühling erwacht ist. Im zweiten Teil des Gedichts geht es um das Knospen, Keimen und den Duft, der durch die Luft weht. Das Grün, das so fröhlich erscheint, und das Flüstern im Wind werden ebenfalls als Anzeichen des Frühlings gedeutet. Der Hain antwortet auf die Fragen und verkündet, dass der Frühling einzieht. Es wird deutlich, dass die Natur selbst als lebendiger Organismus wahrgenommen wird, der auf die Fragen des lyrischen Ichs antwortet. Der dritte Teil des Gedichts beschäftigt sich mit den Klängen des Frühlings. Das Klingeln, Klagen, Flöten und die freudigen Jauchzer und Jubelrufe werden als Ausdruck des Frühlings interpretiert. Die Nachtigall gibt schließlich die Antwort und bestätigt, dass der Frühling da ist. Das lyrische Ich hat genug gehört und erkennt, dass der Frühling tatsächlich eingetroffen ist. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Zufriedenheit und Freude über die Ankunft des Frühlings.

Schlüsselwörter

frühling fragte rauschet rieselt rinnet schnell blitzt sonne

Wortwolke

Wortwolke zu Frühling

Stilmittel

Alliteration
Was knospet, was keimet, was duftet so lind
Enjambement
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach: »Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«
Metapher
Der Frühling zieht ein
Personifikation
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach
Wiederholung
Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!