Frühes Lied

Clemens Brentano

1794

Fahre fort mit Dornenschlägen, Weiße Rose, meinem Herzen, Dem verbrannten, quillt ein Segen, Aus den Tränen aus den Schmerzen,

Breche ganz mein altes Leben, Ich muß dir, die so erschienen Einen bessern Bruder geben Gott und dir in ihm zu dienen

Alles muß von dir ich nehmen Kann dir nichts, ach gar nichts geben, Denn du mußt den Drachen zähmen, Um dem Herrn den Schatz zu heben,

Sieh, ich beug mich dir zu Füßen Du Erbarmen, weine nieder, Lehre mich, wie du zu büßen Tränenquell der frommen Lieder

All mein Letzen und Verletzen, All mein Lügen, Trachten, Scheinen, Darauf sollst den Fuß du setzen Und so im Triumph erscheinen.

Alles, was du still gelitten, Deine Not, dein fromm Entsagen, Hat auch mir das Herz durchschnitten, Doch du, du hast es getragen

Alles was du je getragen, Sieh, das hab ich all verschuldet, Meine Schuld hat dich geschlagen, Und du hast so fromm geduldet.

Und nun trägst du dies versunkne, Das dich marterte, dies Herz, O du Gottesmitleidtrunkne An dem deinen, himmelwärts!

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Illustration zu Frühes Lied

Interpretation

Das Gedicht "Frühes Lied" von Clemens Brentano ist ein tief empfundenes und emotionales Werk, das Themen wie Schmerz, Reue, Hingabe und Erlösung behandelt. Der Sprecher des Gedichts wendet sich an eine "weiße Rose", die symbolisch für eine geliebte Person oder eine höhere spirituelle Instanz stehen könnte. Der Ton ist von tiefer Demut und dem Wunsch nach Vergebung geprägt. Der erste Teil des Gedichts beschreibt den Schmerz und die innere Zerrissenheit des Sprechers. Die "Dornenschläge" symbolisieren die Leiden, die der Sprecher seinem Herzen zugefügt hat. Doch aus diesen Schmerzen erwächst ein Segen, der durch Tränen und Schmerzen quillt. Der Sprecher erkennt die Notwendigkeit, sein altes Leben zu brechen und sich einem neuen, besseren Weg zuzuwenden. Dieser Weg beinhaltet die Hingabe an Gott und die geliebte Person, die in der "weißen Rose" personifiziert wird. Im weiteren Verlauf des Gedichts zeigt sich die tiefe Abhängigkeit des Sprechers von der geliebten Person. Er kann ihr nichts geben außer seinem ganzen Sein, da sie den "Drachen zähmen" muss, um dem Herrn den Schatz zu heben. Dies könnte als Metapher für die Bewältigung von Herausforderungen und Prüfungen im Leben interpretiert werden. Der Sprecher beugt sich vor der geliebten Person in Demut und bittet um Erbarmen und die Fähigkeit, seine Sünden zu büßen. Er erkennt seine Schuld und die Not der geliebten Person an und bittet um Vergebung und Erlösung. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Hoffnung und des Trostes. Der Sprecher erkennt an, dass die geliebte Person all das Leid und die Schmerzen getragen hat, die er selbst verursacht hat. Er bittet sie, sein gebrochenes Herz emporzuheben und es in die Höhe zu tragen, hin zu Gott. Dies symbolisiert die Hoffnung auf Erlösung und die Überwindung von Schmerz und Schuld durch die Liebe und das Mitgefühl der geliebten Person. Das Gedicht ist ein ergreifendes Plädoyer für Demut, Reue und die transformative Kraft der Liebe und des Mitgefühls.

Schlüsselwörter

all muß geben sieh fromm herz hast getragen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Tränenquell der frommen Lieder
Anapher
Alles, was du still gelitten / Deine Not, dein fromm Entsagen
Bildsprache
Tränenquell der frommen Lieder
Hyperbel
All mein Letzen und Verletzen
Kontrast
Fahre fort mit Dornenschlägen, / Weiße Rose
Metapher
Weiße Rose, meinem Herzen
Personifikation
Lehre mich, wie du zu büßen
Symbolik
Dornenschlägen