Früher Morgen in der Friedrichstraße

Klabund

unknown

Die ersten Wagen mit Zeitungsballen Fahren am Bahnhof Friedrichstraße vor. Alle Häuser hängen in violettem Flor. O wilde Welt! Laß mich ins Dunkel fallen!

Die Mädchen flattern heimwärts; böse Eulen. Aus Cafés äugen Lampen, gelb verstört. Ein holder Walzer wird nicht mehr gehört, Weil schon die Dampfer und Fabriken heulen.

Da braust der erste Stadtbahnzug ins Loch Der Bahnhofshalle… Hinter Dächertraufen Schirrt Phaeton den jungen Tag ins Joch Und läßt die goldnen Rosse laufen.

Die Strahlenpeitsche klatscht um unser Ohr. Des Gottes Blick erglüht uns im Genicke… Empor zu dir! Empor! Sonne rollt über die Weidendammer Brücke.

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Illustration zu Früher Morgen in der Friedrichstraße

Interpretation

Das Gedicht "Früher Morgen in der Friedrichstraße" von Klabund beschreibt den Übergang von der Nacht zum Tag in einer belebten Stadt. Der Morgen beginnt mit den ersten Wagen, die Zeitungsballen am Bahnhof Friedrichstraße abladen, während die Häuser in einem violett schimmernden Licht erstrahlen. Die Stimmung ist von einer wilden, ungezähmten Welt geprägt, in der der Sprecher sich ins Dunkel fallen lassen möchte. Im zweiten Teil des Gedichts wird die nächtliche Szenerie weiter ausgeführt. Die Mädchen kehren nach Hause zurück, während die Straßenlaternen aus den Cafés gelb und verstört hervorschauen. Die Musik eines Walzers ist verstummt, da die Geräusche der Dampfer und Fabriken die Stadt beherrschen. Der erste Stadtbahnzug donnert in die Bahnhofshalle, und die Dächer der Stadt dienen als Kulisse für das Erscheinen des jungen Tages, personifiziert als Phaeton, der die goldene Sonne über die Weidendammer Brücke rollen lässt. Das Gedicht endet mit einer dramatischen Beschreibung der Sonne, die ihre Strahlenpeitsche schwingt und den Sprecher mit ihrem feurigen Blick im Nacken erfasst. Der Sprecher fühlt sich von der Sonne aufgerufen, sich ihr entgegenzustellen und den neuen Tag zu begrüßen. Die letzten Zeilen des Gedichts sind von einer gewissen Erhabenheit und Bewunderung für die Kraft und Schönheit der Natur geprägt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Strahlenpeitsche klatscht um unser Ohr
Anapher
Empor zu dir! Empor!
Anspielung
Schirrt Phaeton den jungen Tag ins Joch
Hyperbel
Des Gottes Blick erglüht uns im Genicke
Metapher
Alle Häuser hängen in violettem Flor
Personifikation
Da braust der erste Stadtbahnzug ins Loch
Symbolik
Sonne rollt über die Weidendammer Brücke