Früher, da ich unerfahren

Wilhelm Busch

1874

Früher, da ich unerfahren Und bescheidner war als heute, Hatten meine höchste Achtung Andre Leute.

Später traf ich auf der Weide Außer mir noch mehr Kälber, Und nun schätz ich, sozusagen, Erst mich selber.

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Illustration zu Früher, da ich unerfahren

Interpretation

Das Gedicht "Früher, da ich unerfahren" von Wilhelm Busch beschreibt die Entwicklung der Selbsteinschätzung des lyrischen Ichs über die Zeit. Anfangs, in einer Phase der Unerfahrenheit und Bescheidenheit, richtete das Ich seine höchste Achtung auf andere Menschen. Es befand sich in einer Position der Bewunderung und des Respekts gegenüber seinen Mitmenschen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Im Laufe der Zeit verändert sich die Perspektive des lyrischen Ichs. Durch die Erfahrung, dass es auf der "Weide" nicht allein ist, sondern sich unter vielen anderen "Kälbern" befindet, entwickelt sich ein neues Selbstbewusstsein. Die Metapher der Weide und der Kälber deutet auf eine Herde hin, in der das Ich erkennt, dass es nicht einzigartig oder besonders ist. Diese Erkenntnis führt zu einer Neubewertung des eigenen Wertes und der eigenen Fähigkeiten. Letztendlich kommt das Ich zu dem Schluss, dass es sich selbst nun erst so richtig schätzt. Die anfängliche Bescheidenheit und die hohe Achtung vor anderen haben sich in eine selbstbewusste und selbstschätzende Haltung gewandelt. Das Gedicht illustriert auf humorvolle Weise den Prozess der persönlichen Entwicklung und die Veränderung der Selbsteinschätzung im Laufe des Lebens.

Schlüsselwörter

früher unerfahren bescheidner heute höchste achtung andre leute

Wortwolke

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Stilmittel

Ironie
Und nun schätz ich, sozusagen, Erst mich selber
Kontrast
Früher, da ich unerfahren Und bescheidner war als heute
Metapher
Außer mir noch mehr Kälber