Früh, eh der Tag seine Schwingen noch regt

Hugo Ball

1886

Früh, eh der Tag seine Schwingen noch regt, Alles noch schlummert und träumet und ruht, Blümchen noch nickt in der Winde Hut, Eh noch im Forste ein Vogel anschlägt,

Schreitet ein Engel Durchs tauweiße Land Streut ans den Segen Mit schimmernder Hand.

Und es erwachet die Au und der Wald. Blumen bunt reiben die Äuglein sich klar, Staunen und flüstern in seliger Schar. Aufstrahlt die Sonne, ein Amselruf schallt.

Aber der Engel Zog längst schon landaus. Flog wieder heim In sein Vaterhaus.

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Illustration zu Früh, eh der Tag seine Schwingen noch regt

Interpretation

Das Gedicht "Früh, eh der Tag seine Schwingen noch regt" von Hugo Ball handelt von einem Engel, der in der frühen Morgenstunde durch die Landschaft geht und seinen Segen spendet. Die Szene wird als friedlich und idyllisch beschrieben, mit schlafenden Blumen und Vögeln. Der Engel wird als eine schimmernde Gestalt dargestellt, die mit seiner Hand den Segen verteilt. Nachdem der Engel seine Aufgabe erfüllt hat, erwacht die Natur langsam zum Leben. Die Blumen reiben sich die Augen auf und staunen über das neue Licht. Die Sonne geht auf und ein Amselruf ertönt. Doch der Engel ist längst schon weitergezogen und in sein himmlisches Vaterhaus zurückgekehrt. Das Gedicht vermittelt eine mystische Stimmung und lässt den Engel als eine Art Naturgeist erscheinen, der die Erde segnet und dann wieder in die geistige Welt zurückkehrt. Es thematisiert den ewigen Kreislauf von Nacht und Tag, Schlaf und Erwachen sowie die Verbindung zwischen der irdischen und der himmlischen Sphäre.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Aufsstrahlt die Sonne
Personifikation
Ein Amselruf schallt