Frostfeuer

August Stramm

1915

Die Zehen sterben Atem schmilzt zu Blei In den Fingern sielen heiße Nadeln. Der Rücken schneckt Die Ohren summen Tee Das Feuer Klotzt Und Hoch vom Himmel Schlürft Dein kochig Herz Verschrumplig Knistrig Wohlig Sieden Schlaf.

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Illustration zu Frostfeuer

Interpretation

Das Gedicht Frostfeuer von August Stramm ist ein intensives und eindringliches Werk, das die körperlichen Empfindungen bei extremer Kälte eindrücklich beschreibt. Der Dichter verwendet eine unkonventionelle Sprache und Wortneuschöpfungen, um die Qualen des Erfrierens zu vermitteln. Die Zeilen sind geprägt von einer starken Bildlichkeit, die den Leser direkt in die Erfahrungswelt des Erfrierens eintauchen lässt. Die körperlichen Beschwerden werden in einer Folge von kurzen, prägnanten Aussagen aufgelistet. Die Zehen sterben, der Atem schmilzt zu Blei, in den Fingern sielen heiße Nadeln. Diese Bilder verdeutlichen die fortschreitende Erfrierung und den Verlust der Körperwärme. Die Metapher vom Rücken, der sich schneckt, und den Ohren, die Tee summen, verstärken den surrealen und desorientierenden Charakter der Erfahrung. Im letzten Teil des Gedichts wird die Kälte personifiziert. Das Feuer klotzt, als ob es sich weigert, Wärme zu spenden. Von oben schlürft ein kochiges Herz, das verschrumplig, knistrig und wohlig siedet. Diese paradoxe Beschreibung des Herzens, das sowohl kocht als auch wohlig ist, deutet auf den Übergang zum Tod durch Erfrieren hin. Der Schlaf, der am Ende des Gedichts siedet, ist der endgültige Zustand, in den der Erfrierende übergeht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Frostfeuer

Stilmittel

Alliteration
Knistrig Wohlig
Hyperbel
Das Feuer Klotzt
Kontrast
Frostfeuer
Metapher
Dein kochig Herz
Onomatopoesie
sieden Schlaf
Personifikation
Die Zehen sterben
Synästhesie
Die Ohren summen Tee