Froher Besitz
1790Einst war auf umrollender Welt Wechselndes Treiben Mein Auge gerichtet, mein Sinn gestellt: Nun laß ich’s bleiben!
Fort im behaglichen Müßiggang Leb’ ich die Tage, Daß um der Zeiten Begebniß und Drang Nimmer ich frage!
König bin ich im höchsten Reich, Regier’ in Wonne; Keine Kron’ ist der meinen gleich Unter der Sonne!
Nicht um das alte Liebchen des Stiers, Europa, tausch’ ich Meine Liebst’! Auf das Brüllen des Thiers Nicht länger lausch’ ich!
Auch nicht auf das verweinte Gesicht Der betrogenen Schönen, Die statt Kränzen nun Dornen dicht Umfangen und krönen!
Sie ist gewandert aus Hand in Hand, Aus schlechter in schlechte; Nimmer ein treuer Buhle sich fand, Nie kam der rechte!
Was soll des thörichten Weibes Schrei’n Länger mich stören! Meiner Liebsten nur ganz allein Will ich gehören!
Und trifft die Klage der Welt mein Ohr, Will ich’s verschließen, Sperren mein Haus und sperren mein Thor, Und göttlich genießen! –
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Froher Besitz" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von einem lyrischen Ich, das sich von der hektischen Welt abgewendet hat und in einem behaglichen Müßiggang lebt. Der Sprecher hat seinen Fokus von der ständigen Veränderung und dem Treiben der Welt abgewendet und genießt nun ein ruhiges und zufriedenes Leben. Er fühlt sich wie ein König in seinem eigenen Reich und empfindet seine Liebe als unbezahlbar. Das lyrische Ich vergleicht seine Liebe mit der mythischen Geschichte von Europa und dem Stier und betont, dass er seine Liebe nicht gegen irgendetwas eintauschen würde. Er hat auch kein Interesse mehr an den betrogenen Schönen, die nun Dornen statt Kränze tragen. Der Sprecher betont, dass er nur seiner Liebsten gehören möchte und sich von den Klagen der Welt abwendet. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass der Sprecher sein Haus und Tor verschließen und göttlich genießen möchte. Es ist ein Ausdruck der Zufriedenheit und des Glücks, das der Sprecher in seinem eigenen Reich gefunden hat und das er vor der Außenwelt schützen möchte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Nimmer ein treuer Buhle sich fand
- Anspielung
- Nicht um das alte Liebchen des Stiers, Europa, tausch' ich
- Enjambement
- Einst war auf umrollender Welt Wechselndes Treiben Mein Auge gerichtet, mein Sinn gestellt: Nun laß ich's bleiben!
- Hyperbel
- Keine Kron' ist der meinen gleich Unter der Sonne
- Kontrast
- Daß um der Zeiten Begebniß und Drang Nimmer ich frage
- Metapher
- König bin ich im höchsten Reich
- Personifikation
- Fort im behaglichen Müßiggang Leb' ich die Tage
- Reimschema
- Das Gedicht folgt einem regelmäßigen Reimschema, was auf eine strukturierte und harmonische Form hinweist
- Symbolik
- Europa, tausch' ich Meine Liebst'