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Leb wohl, du teures Land

Von

Leb wohl, du teures Land, das mich geboren,
Beamtenwillkür treibt mich fort von hier.
Ich hab Amerika mir auserkoren.
Dort scheint allein der Freiheit Sonne mir.
Dort drücken mich nicht der Tyrannen Ketten,
dort schätzt man erst des Lebens hohen Wert,
und wer sich will aus Sklaverei erretten,
der folge mir, dort wird er erst geehrt

Dort kennt man nicht die stolzen Fürstenknechte,
verprassend nur des Landmanns sauren Schweiß,
dort freut der Mensch sich seiner Menschenrechte,
er erntet auch die Frucht von seinem Fleiß.
Es quälen ihn nicht jene Müßiggänger,
durch Fürstengunst betitelt und besternt.
Das Sklavenwort ‚Euer Gnaden‘ und ‚Gestrengen‘
ist aus dem Reich der Sprache weit entfernt

Nach diesem Lande laßt uns, ihr Brüder, ziehen,
es folge mir, der die Freiheit liebt und ehrt;
ein neues Leben wird dort uns allen blühen,
und Gott ist’s, der die Wünsche uns gewährt
Schon schlägt die längst ersehnte Stunde,
der Abschiedstag, ihr Brüder, ist nun da,
und bald erschallt aus unserem Munde;
Wie gut, wie gut ist’s in Amerika.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Leb wohl, du teures Land von Friedrich Franz Karl Hecker

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Leb wohl, du teures Land“ von Friedrich Franz Karl Hecker thematisiert den Bruch mit der alten Heimat und die hoffnungsvolle Auswanderung nach Amerika. Es spiegelt die politischen und sozialen Spannungen des 19. Jahrhunderts wider, insbesondere die Enttäuschung über Unterdrückung und Unfreiheit im deutschen Vaterland. Das lyrische Ich richtet sich an Gleichgesinnte und erklärt, dass es der „Beamtenwillkür“ und „Tyrannenketten“ entfliehen will, um in Amerika die ersehnte Freiheit zu finden.

Das Gedicht setzt dabei auf einen starken Kontrast zwischen der alten und der neuen Welt. Deutschland erscheint als Ort der Unterdrückung, geprägt von „Fürstenknechten“ und sozialer Ungerechtigkeit, während Amerika als Sinnbild der Freiheit und Gerechtigkeit gezeichnet wird. In der neuen Welt kann der Mensch „die Frucht von seinem Fleiß“ selbst ernten und ist nicht länger Opfer eines ausbeuterischen Systems. Die Kritik richtet sich deutlich gegen die herrschenden Eliten und deren Privilegien, die auf Kosten des einfachen Volkes leben.

Die Sprache des Gedichts ist klar und appellativ. Der Sprecher ruft die „Brüder“ auf, ihm zu folgen und gemeinsam ein neues Leben in einem Land zu beginnen, das Freiheit und Selbstbestimmung verspricht. Die wiederholte Gegenüberstellung von Unfreiheit und Freiheit, von Unterdrückung und Selbstverwirklichung, unterstreicht die Sehnsucht nach einem gerechten und selbstbestimmten Dasein.

Hecker, selbst eine bedeutende Figur der deutschen Revolutionsbewegung von 1848, bringt in diesem Gedicht die Hoffnung auf politisches und soziales Neuland zum Ausdruck. „Leb wohl, du teures Land“ ist mehr als nur ein Abschied – es ist ein politisches Manifest, das zum Aufbruch in eine bessere Zukunft aufruft und den Traum von Freiheit in der Ferne beschwört.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.