Friedenslied

Sigmund von Birken

1648

Nun, so bist du endlich kommen, O du langgewünschter Tag, Der uns alles Leid benommen Und geendet unsre Plag′! Tausend Seelen mit Verlangen Hofften tausend Tag′ auf dich. Nun du uns bist aufgegangen, Enden alle Nächte sich.

Theurer Tag, der Tage Sonne, Zeitenkrone, Freund der Welt, Feind der Unruh′, Länderwonne, Du durchstrahlst der Erden Zelt! Und es werden treue Seelen Von dir heute fangen an Jahre neuer Ruh′ zu zählen, Die uns hoch beglücken kann.

Du machst unsre Zeiten lachen, Alles Weinen geht zu Grab; Treue, Freud′ und Fried′ erwachen, Weil die Waffen ziehen ab. Mache fest das Band der Liebe, Das nicht reiß′ in Ewigkeit! Gott, uns stäten Frieden giebe Nach dem langen Kriegesleid!

Laß ihn immer grünend bleiben, Diesen neuen Friedenszweig, Laß ihn Blüth′ und Wurzeln treiben, Daß er uns viel Früchte zeig′! Unsre Schuld mit Gnad′ anschaue, Daß die Axt in deiner Hand Ihn im Zorn uns nicht abhaue, Und der Streit ersteh′ im Land!

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Illustration zu Friedenslied

Interpretation

Das Gedicht "Friedenslied" von Sigmund von Birken ist ein Lobgesang auf den Frieden, der nach einer langen Zeit des Krieges und der Unruhe endlich eingetreten ist. Der Dichter drückt die tiefe Erleichterung und Freude über das Ende des Leids und der Plagen aus. Der Friede wird als lang ersehnter Tag gefeiert, der den Seelen Trost und Hoffnung gebracht hat und die Nächte der Not beendet. In der zweiten Strophe wird der Friede als "Theurer Tag, der Tage Sonne" personifiziert und als Quelle des Lichts und der Wärme für die Welt dargestellt. Er wird als Feind der Unruhe und als Freude der Länder beschrieben. Die treuen Seelen beginnen, ein neues Zeitalter des Friedens zu zählen, das ihnen große Glückseligkeit bringen soll. Die dritte Strophe betont die transformative Kraft des Friedens. Er lässt die Zeiten lachen und das Weinen vergehen. Treue, Freude und Friede erwachen, da die Waffen abgezogen sind. Der Dichter bittet Gott, das Band der Liebe zu festigen und den Frieden nach dem langen Kriegsleid zu schenken. In der letzten Strophe wünscht er sich, dass der neue Friedenszweig immer grünend bleibt, Blüten und Wurzeln treibt und viele Früchte trägt. Er bittet um Gnade für die Schuld der Menschen, damit die Axt des Zorns den Friedenszweig nicht abschlägt und der Streit nicht erneut im Land aufkommt.

Schlüsselwörter

tag unsre tausend seelen treue laß endlich kommen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Laß ihn immer grünend bleiben
Anapher
Laß ihn ... Laß ihn
Appell
Gott, uns stäten Frieden giebe
Bildsprache
Daß er uns viel Früchte zeig'!
Hyperbel
Tausend Seelen mit Verlangen
Kontrast
Alles Weinen geht zu Grab; Treue, Freud' und Fried' erwachen
Metapher
neuen Friedenszweig
Personifikation
O du langgewünschter Tag