Frieden
1911Ich flüchte aus dem Marktgedränge, Das mich zu Tod hat müd gemacht, In deine traumumlaubten Gänge, In deine süße dunkle Enge, O schattenscheue stille Nacht! Das Trostgeschmiege deiner Schleier Deck um dies angstverzehrte Herz, Daß es in deiner Segensfeier Vergesse seinen letzten Schmerz!
Es stand der Horizont in Gluten, Nun stirbt der Feuer Brandgeloh! Das letzte Weh will sacht verbluten Ich höre sie vorüberfluten Die Siege, denen ich entfloh! Du ziehst mich auf dein Balsamlager, Geliebte Sterngebärerin, Und es erlischt dem müden Klager Die letzte seiner Phantasien …
Nun ward ich ganz, so ganz dein eigen, Und jede Unrast ist gebannt Dein großes, dein gewalt′ges Schweigen, Vor dem sich alle Stürme neigen, Trug mich in meiner Sehnsucht Land … Ein unbegreiflich süß Ermatten Löst meines Leibes Gliederhaft Vorüber huscht der letzte Schatten, Und es verströmt die letzte Kraft …
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Interpretation
Das Gedicht "Frieden" von Hermann Conradi handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Ruhe und Erholung von den Strapazen des Alltags. Der Sprecher flüchtet aus dem hektischen Markttreiben, das ihn ermüdet hat, in die dunkle, ruhige Nacht. Die Nacht wird als schützender Schleier beschrieben, der das ängstliche Herz umhüllt und es vergessen lässt. Die zweite Strophe beschreibt den Übergang von Tag zu Nacht. Der Horizont steht in Flammen, was auf den Sonnenuntergang hindeutet. Das Feuer erlischt, und die "Siege", denen der Sprecher entfloh, ziehen vorüber. Die Nacht wird als Balsamlager bezeichnet, das den müden Kläger erlöst und seine letzten Phantasien erlöscht. In der dritten Strophe findet das lyrische Ich vollkommene Einheit mit der Nacht. Alle Unrast ist gebannt, und die Stürme neigen sich vor der gewaltigen Stille der Nacht. Das große Schweigen trägt das Ich in das Land der Sehnsucht. Ein süßes Ermatten löst die Glieder des Körpers, der letzte Schatten huscht vorüber, und die letzte Kraft verströmt sich. Das Gedicht endet mit dem Eindruck vollkommener Ruhe und Hingabe an die Nacht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Und es verströmt die letzte Kraft
- Personifikation
- Vorüber huscht der letzte Schatten