Friede im Andern
1901Eigennutz ist dieses Leben, Aus dem Thron sitzt der Genuss; Wem der Liebe Durst gegeben, Einsam in der Selbstsucht Streben, Weh’, wenn er verschmachten muss!
Selig, wer im Lebensreigen Das verwandte Herz entdeckt! Unter grünen Palmenzweigen Wird sich Friede aus ihn neigen. Friede, den die Liebe weckt.
Jegliche Begierde schwindet Wie ins graue Sagenland; Denn im Busen, liebentzündet, Seine stille Welt sich gründet, Wer sich selbst im Andern fand.
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Interpretation
Das Gedicht "Friede im Andern" von Ernst Ziel thematisiert die menschliche Sehnsucht nach Liebe und Gemeinschaft als Gegenpol zur selbstbezogenen, genussorientierten Lebensweise. In den ersten Strophen wird die Einsamkeit und das Leid beschrieben, das aus reinem Egoismus und der Suche nach dem eigenen Vorteil resultiert. Die Person, die nur in der Selbstsucht lebt, wird als bedauernswert dargestellt, da sie letztlich allein bleibt und "verschmachtet". Die mittleren Strophen bieten eine hoffnungsvolle Wende, indem sie das Glück besingen, das aus der Entdeckung eines "verwandten Herzens" erwächst. Der Dichter imaginiert eine friedliche, fast paradiesische Szene unter grünen Palmenzweigen, wo die Liebe den Frieden bringt. Diese Strophen symbolisieren die transformative Kraft der Liebe, die in der Lage ist, die egozentrische Weltanschauung zu durchbrechen und eine tiefe Verbindung zu einem anderen Menschen herzustellen. Im letzten Teil des Gedichts wird die vollkommene Erfüllung beschrieben, die eintritt, wenn man sich selbst im Anderen findet. Alle Begierden und das Streben nach dem eigenen Vorteil verblassen angesichts der Liebe, die eine "stille Welt" im Herzen gründet. Die Liebe wird hier als ein Zustand der Selbstfindung und des inneren Friedens dargestellt, der nur durch die Hingabe an einen anderen Menschen erreicht werden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Wie ins graue Sagenland
- Personifikation
- Seine stille Welt sich gründet