Freyheitslied

Wilhelm Friedrich Waiblinger

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Wie glänzt auf dem Berge die goldene Wolke So heiter und lauter dem heiteren Volke! Da wallen und schweben Und küssen und weben Die wankenden Bilder im wechselnden Tanz Um silberne Stirnen mit rosigem Kranz!

Auf jähem Gebirge, durch grünende Matten, An Strömen und Quellen, im kühlenden Schatten, Zu Meer und zu Lande, Am blumigen Strande, Da schreitet der Grieche, so kräftig und kühn! Es schwillt ihm der Busen im wachsenden Glühn!

Noch fühlt in den Tiefen, auf wolkigen Wegen, Den schwellenden Geist er der Mutter sich regen, Noch fühlt er in Liebe, Mit sehnendem Triebe, Mit heil′gem Verlangen, auf jeglicher Spur, Geliebt sich an wärmender Brust der Natur.

Wo hoch um die dämmernden, ragenden Höhen Des Adlers geschwungene Fittige wehen, Um Kronen und Wipfel, Auf felsigem Gipfel; Der Wind durch die Eichen, die riesigen, saust, Da wild der Malnotte, der kräftige, braust.

Wo mild auf das heitere Menschengewimmel Und jugendlich quillet der lautere Himmel: Die Ferne, geläutert Und duftig erweitert, Verschwimmt in des Meeres zerfließendem Blau, Da geht der Korinther auf lächelnder Au!

Und unserem Auge, dem reinen, entfalten Sich reicher, als allen, die ew′gen Gestalten, In heiliger Stille, In rauschender Fülle! Wir sind′s, die Geliebten! vom Ew′gen erfüllt! Des Höchsten und Größten lebendigstes Bild!

D′rum sind wir auch frey wie die Schwalb in der Wolke Wir sammeln uns wieder zum herrschenden Volke! Wir schlagen den Türken Und schaffen und wirken, Uns fühlend, und drängen uns wieder hinan! Und reih′n an die heiligen Väter uns an!

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Illustration zu Freyheitslied

Interpretation

Das Gedicht "Freyheitslied" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Freiheit und nationale Erhebung, das die griechische Befreiungsbewegung als Vorbild und Inspiration nutzt. Es beginnt mit einer Beschreibung der idyllischen Landschaft Griechenlands, in der sich die goldene Wolke auf dem Berg und die Natur als harmonisch und friedlich darstellen. Der Dichter beschwört die Schönheit und Kraft der griechischen Landschaft, die als Symbol für die Freiheit und den Widerstandswillen des Volkes steht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Verbindung des Griechen zur Natur und zur Mutter Erde betont. Die Natur wird als Quelle der Inspiration und des Lebensgefühls dargestellt, die den Griechen Kraft und Mut gibt. Die Bilder von Wind, Eichen und dem Meer unterstreichen die wilde und ungezähmte Schönheit der Landschaft, die den Griechen als Kraftquelle dient. Der letzte Teil des Gedichts ist eine Aufforderung zur Befreiung und zum Widerstand gegen die Unterdrücker, hier symbolisiert durch die Türken. Der Dichter ruft das Volk auf, sich zu sammeln und zu einem herrschenden Volk zu werden, das die Freiheit und Unabhängigkeit zurückerobert. Die griechischen Väter und Helden werden als Vorbilder genannt, an die sich das Volk anlehnen soll. Das Gedicht endet mit einem Appell zur Einigkeit und zum gemeinsamen Kampf für die Freiheit, der die Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft und die Wiederherstellung der griechischen Größe ausdrückt.

Schlüsselwörter

wolke volke fühlt gen glänzt berge goldene heiter

Wortwolke

Wortwolke zu Freyheitslied

Stilmittel

Alliteration
In heiliger Stille, In rauschender Fülle
Hyperbel
So kräftig und kühn
Metapher
Zum herrschenden Volke
Personifikation
Wir fühlen uns, und drängen uns wieder hinan
Vergleich
D′rum sind wir auch frey wie die Schwalb in der Wolke