Freudenhaus

August Stramm

1915

Lichte dirnen aus den Fenstern Die Seuche Spreitet an der Tür Und bietet Weiberstöhnen aus! Frauenseelen schämen grelle Lache! Mutterschöße gähnen Kindestod! Ungeborenes Geistet Dünstelnd Durch die Räume! Scheu Im Winkel Schamzerpört Verkriecht sich Das Geschlecht!

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Illustration zu Freudenhaus

Interpretation

Das Gedicht "Freudenhaus" von August Stramm beschreibt in drastischen Bildern die Atmosphäre eines Bordells. Die Fenster sind voller "licher Dirnen", die eine Art Seuche ausstrahlen. Vor der Tür bietet sich "Weiberstöhnen" dar. Die Seelen der Frauen schämen sich grell lachend, die Mutterleiber öffnen sich und gebären den Kindestod. Ungeborene Geister ziehen düster durch die Räume. Die Sexualität verkriecht sich schamzerstört in eine Ecke. Das Gedicht zeichnet ein düsteres, entmenschlichendes Bild vom Freudenhaus als Ort der Krankheit, des Todes und der Scham. Die Frauen werden zu lüsternen Dirnen, ihre Schreie zum Stöhnen. Die Sexualität wird als etwas Unreines dargestellt, das sich verstecken und schämen muss. Die Gebärmütter der Frauen werden zu Gräbern für ungeborene Kinder. Die Atmosphäre ist von einer düsteren, todbringenden Energie durchdrungen. Stramm verwendet eine sehr bildhafte, metaphorische Sprache, um die Stimmung im Freudenhaus zu vermitteln. Die Metaphern sind oft verstörend und drastisch, wie der "Kindestod" oder das "Weiberstöhnen". Die Sexualität wird entsexualisiert und entmenschlicht dargestellt. Das Gedicht wirkt wie ein Anklage gegen die Prostitution und die Objektivierung der Frau.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Scheu Im Winkel Schamzerpört Verkriecht sich Das Geschlecht
Personifikation
Ungeborenes Geistet Dünstelnd Durch die Räume