Freiheit

Friedrich Schlegel

1829

Freiheit, so die Flügel Schwingt zur Felsenkluft, Wenn um grüne Hügel Weht des Frühlings Luft; Sprich aus dem Gesange, Rausch′ in deutschem Klange, Atme Waldes Duft!

Was mit Lust und Beben In die Seele bricht, Dies geheime Leben, Ist es Freiheit nicht? Diese Wunderfülle, Die in Liebeshülle An die Sinne spricht?

Frei sich regt und froher Ahndung in der Brust, Und des Waldes hoher Geist wird uns bewußt. Linde Blütenwellen Schlagen an und schwellen Höher stets die Lust.

Höher noch entzündet Flammt der Geist empor, Wessen Herz verbündet, Sich den Freund erkor. Für die Freiheit sterben Sah man, Ruhm erwerben Oft der Freunde Chor.

Brüderlich verbunden Für der Ehre Wort, Reißt in Todes Wunden Sturm die Edlen fort. Auf in Ruhmes Flammen Schlägt ihr Herz zusammen Zu der Sonne dort.

Ach dem Vaterlande Wird der Geist nie fern, Ehrt in treuem Bande Es als seinen Herrn. Kühnen Stolzes schlagen Freie Herzen, wagen Dafür alles gern.

Wo nach altem Rechte Fromme Sitte gilt, Da sind edle Mächte Noch der Freiheit Schild. Jeder stark alleine, Stärker im Vereine, Ist des Ganzen Bild.

Doch die höchste Liebe Nimmt wohl andern Lauf; Daß ihr eines bliebe, Gibt sie alles auf. Irdisch hier in Tränen Steigt ihr sanftes Sehnen Dann zum Licht hinauf.

Jeder mag es finden, Wer in sich versenkt, Wie ihn Leiden binden, An den Himmel denkt. Ledig aller Sorgen, Ist der ew′ge Morgen Seinem Geist geschenkt.

Eins sind diese dreie, Eine Freiheit ganz; Einer Sehnsucht Weihe Flicht zu einem Kranz Frühlings Waldesblühen, Heldenherzens Glühen, Und des Himmels Glanz.

Freiheit, ja ich fühle Deine Liebesglut; Du bist der Gefühle Herz und Lebensblut! Sprich aus dem Gesange Rausch′ in Adlers Klange, Atme deutschen Mut.

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Illustration zu Freiheit

Interpretation

Das Gedicht "Freiheit" von Friedrich Schlegel ist eine tiefgründige Reflexion über die Natur und die verschiedenen Dimensionen der Freiheit. Der Dichter beginnt mit einer Bildsprache, die Freiheit als eine beflügelte Kraft beschreibt, die sich in der Natur manifestiert. Die Freiheit wird hier als etwas Göttliches und Natürliches dargestellt, das in der Frühlingsluft, im Gesang der Vögel und im Duft des Waldes zu finden ist. Schlegel betont, dass die Freiheit eine Quelle der Inspiration und des Lebens ist, die tief in die Seele eindringt und ein geheimes, wunderbares Leben ermöglicht. Im weiteren Verlauf des Gedichts erweitert Schlegel die Vorstellung von Freiheit um die Kameradschaft und den patriotischen Geist. Er beschreibt, wie die Freiheit die Herzen der Menschen erhebt und sie dazu inspiriert, für die Ehre und das Vaterland zu kämpfen und sogar zu sterben. Die Freiheit wird hier als eine Kraft dargestellt, die Menschen zusammenbringt und sie zu mutigen und edlen Taten befähigt. Die Erwähnung des "Sturms", der die Edlen in den Tod reißt, und des "Ruhmes Flammen", die ihre Herzen verbinden, unterstreicht die Opferbereitschaft und den heroischen Aspekt der Freiheit. Im letzten Teil des Gedichts führt Schlegel eine dritte Dimension der Freiheit ein, die spirituelle und transzendente Ebene. Er spricht von einer höchsten Liebe, die alles aufgibt, um ein höheres Ziel zu erreichen, und von einem ewigen Morgen, der dem Geist geschenkt wird, wenn man sich von irdischen Sorgen befreit. Diese Freiheit ist nicht nur ein irdisches oder patriotisches Ideal, sondern auch ein Streben nach dem Göttlichen und dem Ewigen. Schlegel schließt mit der Feststellung, dass diese drei Aspekte der Freiheit – die natürliche, die patriotische und die spirituelle – zu einem einzigen, ganzheitlichen Konzept der Freiheit verschmelzen, das von Liebe, Mut und einem tiefen Verständnis des Lebens durchdrungen ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Freiheit

Stilmittel

Alliteration
Sprich aus dem Gesange Rausch' in Adlers Klange, Atme deutschen Mut
Bildsprache
Frühlings Waldesblühen, Heldenherzens Glühen, Und des Himmels Glanz
Metapher
Du bist der Gefühle Herz und Lebensblut
Parallelismus
Jeder stark alleine, Stärker im Vereine
Personifikation
Freiheit, ja ich fühle Deine Liebesglut