Freiheit-Hoffnung

Wilhelm Hauff

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Freiheit, wo weilst du! Du zauderst so lange, Vaterland sehnet nach dir sich so bange! Kehrst du nimmer zu uns zurück? Wendest von uns nur den trauernden Blick? Ja! als mein Volk die umstrickenden Bande Sprengte mit mutig geschwungenem Schwert, Als es mit Blut abschwemmte die Schande Von dem geschändeten heimischen Herd: Da lauschtest du dem Siegestone, Der aus den Schlachten zum Himmel gekracht, Und du entschwebtest dem himmlischen Throne, Weihtest dem Volke die Siegerkrone, Deutschland strahlte in alter Pracht; Tag war erwacht, Es sank die Nacht. -

Tage des Sieges, ihr konntet entweichen? Freiheit verließ euch, ihr grünenden Eichen! Ach, es verwelkte das fröhliche Grün, Grünende Hoffnung, du mußtest verblühn. Ach! auf den Bergen verlöschten die Feuer, Nacht umlagerte drückend die Welt - Floh die Begeistrung, ihr tapfern Befreier, Die eure Herzen zum Siege beseelt? Das Band der Gauen ist zerschlagen! Fragt ihr: wer wagte die frevelnde Tat? Schreiet zum Himmel um Rache, ihr Klagen! Die, die den Szepter des Vaterlands tragen, Traten mit Füßen der Freiheit Saat; Fürstenrat - Er wagte die Tat.

Klage, o Deutschland, trauert ihr Gauen! Die, die geschworen den Tempel zu bauen, Haben den Altar höhnend zerstört, Haben zersplittert der Heimat Herd! Doch, ob das Land jetzt feindlich zersplittert, Ob auch zersplittert die Volkskraft sei, Haben den Geist sie nimmer umgittert, Der in der Brust lebt, männlich und frei! Der Geist hat unsre Brust durchdrungen; Brüder, wenn Glaube und Schwur uns betrügt, Nur mit Begeisterung tapfer gerungen! Ist uns das herrliche Werk gelungen, Dann aus den Grüften die Freiheit fliegt, Wahrheit siegt, Das Falsche liegt.

Offen ins Antlitz schaut euch die Jugend, Aber ihr glaubt nicht an männliche Tugend, Zittert vor nächtlich heimlicher Tat, Suchet und suchet nach Trug und Verrat. Ob ihr auch spottet das tapfere Streben, Hochgefühl schwellt doch des Jünglings Brust, Vaterlands blutig zerrissenes Leben Frisch zu vereinen, ist unsere Lust. Ein freies Deutschland wollen wir wieder, Einer für alle ein Vaterland; Steige zu uns, o Freiheit, hernieder! Hoffet auf sie und füllet, ihr Brüder, Auf die Pokale bis an den Rand, Schwört Hand in Hand Dem Vaterland.

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Illustration zu Freiheit-Hoffnung

Interpretation

Das Gedicht "Freiheit-Hoffnung" von Wilhelm Hauff ist ein patriotisches Werk, das die Sehnsucht nach Freiheit und Einheit in Deutschland zum Ausdruck bringt. Es beschreibt die Enttäuschung über den Verlust der Freiheit und den Wunsch nach einem freien und vereinten Vaterland. Das Gedicht beginnt mit der Frage nach dem Verbleib der Freiheit, die das Vaterland sehnsüchtig erwartet. Es erinnert an die Zeit, als das Volk mutig die unterdrückerischen Bande durch das Schwert sprengte und mit Blut die Schande vom heimischen Herd abwusch. Die Freiheit wurde von den Siegern als Krönung empfangen, und Deutschland strahlte in alter Pracht. Doch diese Tage des Sieges vergingen, und die Freiheit verließ das Land. Die Hoffnung verwelkte, und die Begeisterung der tapferen Befreier floh. Das Band der Gauen wurde zerschlagen, und die Fürsten traten mit Füßen die Saat der Freiheit. Das Gedicht ruft Deutschland dazu auf, zu klagen und zu trauern, da diejenigen, die den Tempel der Freiheit bauen sollten, den Altar zerstört und den Herd der Heimat zersplittert haben. Trotz der feindlichen Zersplitterung des Landes und der zersplitterten Volkskraft konnte der Geist der Freiheit nicht umgittert werden. Der Geist hat die Brust der Menschen durchdrungen, und wenn Glaube und Schwur betrogen werden, müssen die Brüder mit Begeisterung tapfer kämpfen. Wenn das herrliche Werk gelingt, wird die Freiheit aus den Grüften fliegen, die Wahrheit wird siegen und das Falsche wird fallen. Das Gedicht richtet sich auch an die Jugend, die dem tapferen Streben misstraut und nach Trug und Verrat sucht. Trotz des Spotts der Jugendlichen schwillt das Hochgefühl in der Brust der jungen Männer. Es ist ihre Lust, das blutig zerrissene Leben des Vaterlands zu vereinen. Sie wollen ein freies Deutschland wiedersehen, in dem alle für einander einstehen. Die Jugend ruft die Freiheit dazu auf, zu ihnen herabzusteigen und ihre Hoffnung zu erfüllen. Sie schwören Hand in Hand dem Vaterland.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Schwört Hand in Hand Dem Vaterland
Personifikation
Freiheit, wo weinst du! Du zauderst so lange