Freiheit
1815Freiheit, die ich meine, Die mein Herz erfüllt, Komm′ mit deinem Scheine, Süßes Engelbild.
Magst du nie dich zeigen Der bedrängten Welt? Führest deinen Reigen Nur am Sternenzelt?
Auch bei grünen Bäumen In dem lust′gen Wald, Unter Blütenträumen Ist dein Aufenthalt.
Ach! das ist ein Leben, Wenn es weht und klingt, Wenn dein stilles Weben Wonnig uns durchdringt.
Wenn die Blätter rauschen Süßen Freundesgruß, Wenn wir Blicke tauschen, Liebeswort und Kuß.
Aber immer weiter Nimmt das Herz den Lauf, Auf der Himmelsleiter Steigt die Sehnsucht auf;
Aus den stillen Kreisen Kommt mein Hirtenkind, Will der Welt beweisen, Was es denkt und minnt.
Blüht ihm doch ein Garten, Reist ihm doch ein Feld Auch in jener harten Steinerbauten Welt.
Wo sich Gottes Flamme In ein Herz gesenkt, Das am alten Stamme Treu und liebend hängt;
Wo sich Männer finden, Die für Ehr′ und Recht Muthig sich verbinden, Weilt ein frei Geschlecht.
Hinter dunkeln Wällen, Hinter ehrnem Thor Kann das Herz noch schwellen Zu dem Licht empor;
Für die Kirchenhallen, Für der Väter Gruft, Für die Liebsten fallen, Wenn die Freiheit ruft.
Das ist rechtes Glühen Frisch und rosenroth: Heldenwangen blühen Schöner auf im Tod.
Wollest auf uns lenken Gottes Lieb und Lust, Wollest gern dich senken In die deutsche Brust.
Freiheit, holdes Wesen, Gläubig, kühn und zart, Hast ja lang erlesen Dir die deutsche Art.
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Interpretation
Das Gedicht "Freiheit" von Max von Schenkendorf ist ein Lobgesang auf die Freiheit, der diese als eine idealisierte, fast göttliche Gestalt personifiziert. Der Dichter beschwört die Freiheit als "süßes Engelbild", das sein Herz erfüllt und nach der er sich sehnt. Er fragt, ob die Freiheit sich nur im Himmel oder in der Natur zeigt, oder ob sie auch in der bedrängten Welt der Menschen präsent sein kann. Schenkendorf beschreibt die Freiheit als eine Kraft, die in der Natur, in der Gemeinschaft und im Kampf für Ehre und Recht wirkt. Er sieht sie als Quelle des Lebens und der Liebe, die das Herz erfüllt und die Sehnsucht nach höheren Zielen weckt. Das Gedicht wendet sich dann dem konkreten politischen Kampf zu, in dem sich Männer für Freiheit, Ehre und Recht mutig verbinden. Der Dichter beschwört die Freiheit, in die deutsche Brust zu sinken und preist die deutsche Art als geeignet, diese zu empfangen und zu leben. Das Gedicht ist ein patriotisches Werk, das die Freiheit als höchstes Gut preist und den Kampf für sie als edel und erstrebenswert darstellt. Es verbindet romantische Naturlyrik mit politischem Engagement und spiegelt die Zeit des deutschen Befreiungskampfes gegen Napoleon wider, in der es entstand.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Die Wiederholung von 'Freiheit' am Anfang mehrerer Zeilen verstärkt die thematische Fokussierung auf das Konzept der Freiheit.
- Apostrophe
- Der Dichter spricht direkt zu 'Freiheit' als ob sie ein anwesendes Wesen wäre, was die emotionale Intensität des Gedichts verstärkt.
- Hyperbel
- Die Beschreibung von Heldenwangen, die 'schöner auf im Tod' blühen, übertreibt die Schönheit des Opfers für die Freiheit.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen der 'grünen Bäumen' und der 'harten Steinerbauten Welt' hebt die Unterschiede zwischen Natur und menschlicher Zivilisation hervor.
- Symbolik
- Der 'Garten' und das 'Feld' symbolisieren Hoffnung und Fruchtbarkeit in der 'harten Steinerbauten Welt'.