Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.

Frecher Bengel

Von

Ich bin ein kleiner Junge,
ich bin ein großer Lump.
Ich habe eine Zunge
und keinen Strump.

Ihr braucht mir keinen schenken,
dann reiß ich mir kein Loch.
Ihr könnt euch ruhig denken:
Jottedoch!

Ich denk von euch dasselbe.
Ich kuck euch durch den Lack.
Ich spuck euch aufs Gewölbe.
Pack!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Frecher Bengel von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Frecher Bengel“ von Richard Dehmel ist eine kurze, augenzwinkernde Charakterstudie eines aufsässigen Kindes, das jegliche Autorität ablehnt und eine anarchische Lebensauffassung vertritt. Der Titel etabliert sofort den Ton des Gedichts, indem er das Kind als „frech“ und „Bengel“ bezeichnet, also als ungestüm und frech. Das Gedicht ist eine Art Selbstporträt des Kindes, das sich über die konventionellen Erwartungen und Regeln der Erwachsenen lustig macht.

Die ersten vier Zeilen etablieren die rebellische Haltung des Kindes. Die Aussage, „ich bin ein großer Lump,“ deutet auf eine bewusste Missachtung sozialer Normen hin. Der Mangel an Strümpfen, den er selbst betont, könnte als Metapher für seine Geringschätzung für materielle Dinge oder Konventionen verstanden werden. Das Kind ist unbeeindruckt von den Wünschen der Erwachsenen, ihm etwas zu schenken, da es seine Unabhängigkeit bewahren möchte. Der Reim „Lump“ und „Strump“ und die einfache Sprache unterstreichen den kindlichen Charakter und die Direktheit seiner Aussagen. Das „Jottedoch!“ als Antwort auf etwaige Aufforderungen oder Wünsche der Erwachsenen manifestiert das Unbehagen des Kindes gegenüber Autoritäten, sowie die Absicht, sich deren Erwartungen zu entziehen.

In den folgenden Zeilen wird die Haltung der Ablehnung verstärkt. Der Vers „Ich denk von euch dasselbe“ deutet auf eine Gegenseitigkeit der Abneigung hin, wobei das Kind die Erwachsenen genauso kritisch betrachtet wie diese ihn. Die Metapher „Ich kuck euch durch den Lack“ suggeriert eine Fähigkeit, die Fassade der Erwachsenen zu durchschauen und ihre Unzulänglichkeiten zu erkennen. Die abschließende Zeile „Pack!“ ist ein direkter Ausdruck von Verachtung und eine klare Abgrenzung von den Erwachsenen.

Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, was den kindlichen Charakter des Erzählers authentisch widerspiegelt. Der Einsatz von Reimen verstärkt den spielerischen Charakter und die Leichtigkeit des Gedichts, während die vulgäre Sprache (wie „Pack!“) die rebellische Haltung unterstreicht. Dehmel gelingt es, mit wenigen Worten einen lebendigen Charakter zu zeichnen, der sowohl amüsant als auch ein wenig erschreckend ist, da er die Grenzen des sozialen Akzeptablen austestet. Das Gedicht spiegelt die kindliche Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit, sowie die Ablehnung von Regeln und Erwartungen wider.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.