Frech und froh
1749Mit Mädchen sich vertragen, Mit Männern ′rumgeschlagen, Und mehr Kredit als Geld: So kommt man durch die Welt.
Mit Vielem läßt sich schmausen, Mit Wenig läßt sich hausen; Daß Wenig Vieles sei, Schafft nur die Lust herbei.
Will sie sich nicht bequemen, So müßt ihr′s eben nehmen. Will Einer nicht vom Ort, So jagt ihn grade fort.
Laßt Alle nur mißgönnen, Was sie nicht nehmen können, Und seid von Herzen froh! Das ist das A und O.
So fahret fort zu dichten, Euch nach der Welt zu richten. Bedenkt im Wohl und Weh Dies goldne ABC!
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Interpretation
Das Gedicht "Frech und froh" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt eine Lebensphilosophie, die auf Selbstbewusstsein, Genuss und einer gewissen Unbekümmertheit basiert. Es vermittelt die Idee, dass man durch eine Mischung aus Charme und Durchsetzungsvermögen, gepaart mit einer positiven Einstellung, erfolgreich durchs Leben kommen kann. Im ersten Teil des Gedichts wird die Bedeutung von sozialem Geschick und finanzieller Klugheit hervorgehoben. Der Autor betont, dass man mit Frauen gut auskommen und mit Männern sich behaupten sollte, um im Leben voranzukommen. Zudem wird die Wichtigkeit von Kredit und gutem Ruf über reinem Geldwert gestellt. Der zweite Teil widmet sich der Genussfähigkeit und Zufriedenheit mit wenig, wobei die Schaffung von Freude im Vordergrund steht. Der dritte Teil rät zu einer gewissen Unnachgiebigkeit und dem Mut, Dinge beim Namen zu nennen oder unerwünschte Personen zu entfernen. Der letzte Teil des Gedichts fasst die zuvor genannten Ratschläge zusammen und ermutigt dazu, sich nicht von Neid und Missgunst anderer beeinflussen zu lassen. Stattdessen soll man sich selbst treu bleiben und mit Freude durchs Leben gehen. Das "goldene ABC" am Ende des Gedichts symbolisiert die grundlegenden Lebensregeln, die Goethe seinen Lesern mit auf den Weg geben möchte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- So fahret fort zu dichten
- Anapher
- Laßt Alle nur mißgönnen, Und seid von Herzen froh
- Antithese
- Mit Vielem läßt sich schmausen, Mit Wenig läßt sich hausen
- Chiasmus
- Bedenkt im Wohl und Weh
- Imperativ
- So müßt ihr's eben nehmen
- Metapher
- Dies goldne ABC
- Parallelismus
- Euch nach der Welt zu richten
- Rhetorische Frage
- Will Einer nicht vom Ort