Frau Venus

Joseph von Eichendorff

1788

Was weckst du, Frühling, mich von neuem wieder? Daß all die alten Wünsche auferstehen, Geht übers Land ein wunderbares Wehen; Das schauert mir so lieblich durch die Glieder.

Die schöne Mutter grüßen tausend Lieder, Die, wieder jung, im Brautkranz süß zu sehen; Der Wald will sprechen, rauschend Ströme gehen, Najaden tauchen singend auf und nieder.

Die Rose seh ich gehn aus grüner Klause Und, wie so buhlerisch die Lüfte fächeln, Errötend in die laue Flut sich dehnen.

So mich auch ruft ihr aus dem stillen Hause - Und schmerzlich nun muß ich im Frühling lächeln, Versinkend zwischen Duft und Klang vor Sehnen.

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Illustration zu Frau Venus

Interpretation

Das Gedicht "Frau Venus" von Joseph von Eichendorff thematisiert die Erweckung des Frühlings und die damit verbundenen Gefühle von Sehnsucht und Melancholie. Der Sprecher wird vom Frühling geweckt, was alte Wünsche und Sehnsüchte wieder aufleben lässt. Ein wunderbares Wehen geht über das Land, das den Sprecher lieblich durch die Glieder schaudern lässt. Die Natur erwacht zu neuem Leben, die "schöne Mutter" (wahrscheinlich eine Anspielung auf die Göttin Venus) wird von tausend Liedern gegrüßt. Der Wald spricht, die Ströme rauschen, Najaden (Nymphen) tauchen singend auf und nieder. Der Sprecher beobachtet eine Rose, die aus ihrer grünen Klause tritt und sich buhlerisch von den Lüften fächeln lässt, bevor sie errötend in die laue Flut eintaucht. Diese Szene symbolisiert die Erweckung der sinnlichen Begierde und die Anziehungskraft der Venus. Der Sprecher fühlt sich ebenfalls von dieser Anziehungskraft angezogen und gerufen, obwohl er sich in seinem stillen Hause befindet. Er muss im Frühling lächeln, aber dieses Lächeln ist schmerzlich, da er zwischen Duft und Klang versinkt und von Sehnsucht erfüllt ist. Das Gedicht vermittelt eine ambivalente Stimmung zwischen der Freude über das Erwachen der Natur und der Melancholie über die unerfüllte Sehnsucht des Sprechers.

Schlüsselwörter

frühling weckst neuem all alten wünsche auferstehen geht

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Das schauert mir so lieblich durch die Glieder
Hyperbel
Versinkend zwischen Duft und Klang vor Sehnen
Metapher
Errötend in die laue Flut sich dehnen
Personifikation
So mich auch ruft ihr aus dem stillen Hause